01. November 2009

Eigentlich hege ich den Wunsch schon seit Jahren und mal schien es fast zu klappen – wenn da nur nicht die Reiseentfernung im Weg gestanden hätte oder Zusgesagtes wieder abgesagt wurde oder ich seit Jahr & Tag Nummer 120 in der Reihe der einzujagenden Hundeführer & Hunde gestanden hätte: ich wollte mal bei einer richtigen Niederwildtreibjagd dabei sein. Auf meine Forumsanzeige meldete sich leider niemand, ergo legte ich selbst Hand an und reagierte auf eine kleine Anzeige in einem kleinen Jagdforum wo Treiber für eine Niederwildtreibjagd gesucht wurden. Ich malte mir das ganz romantisch aus: kleine Niederwildjagd mit einer Handvoll Schützen & Treiber irgendwo, wo mich niemand kennt .. Tage vorher hab ich noch Gehorsam & Gewichtsapport mit meinen Hunden geübt und mich zumindest theoretisch über den Ablauf einer solchen Jagd informiert .. nunja .. .. wie so oft im Leben kam alles gaaanz anders ..

Am Sammelpunkt revidierte ich schon mal die erste romantische Vorstellung: insgesamt nahmen 39 Schützen, ungefähr 80 Treiber und wahrscheinlich genau so viele Hunde an der Jagd teil. Das mit der anonymen Jagd im Nirgendwo revidierte sich spätestens nachdem wir einige zumindest virtuell bekannte Gesichter aus den Foren, Bekannte von Prüfungen sowie noch eine Handvoll Hören-Sagen-Bekannte trafen. Unsere etwaigen Faux-Pas auf unserer 1. Niederwildtreibjagd würden sich also nicht einfach unter dem anonymen Deckmantel des Schweigens decken lassen.

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Zu Beginn wurde eigentlich nicht viel Palaver gemacht – nach einem kurzen Anblasen und der Begrüßungsrede ging es los, schließlich wollte man Beute machen und keinen Kaffeeklatsch. Erste, und den Tag über weiter begleitende Herausforderung war es die ca. 80 Treiber mit ihren Hunden über eine einfache Leiter auf 2 Traktoranhänger zu verstauen, was sich an diesem Jagdtag vor und nach jedem Treiben zu einer Routine entwickeln sollte. Am Ende des Jagdtages entwickelte sich dabei sogar ein ganz brauchbares System aus helfenden Händen.

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Das erste Treiben fand in einem ziemlich verdornt-verbuschtem- unterbeholztem Wäldchen statt. Im Wäldchen reproduzierte sich schließlich ein wahres babylonisches Stimmgewirr aus „Hepp-Hepp“ und „Hopp-Hopp“ sowie „Humpa-Humpa“ als auch von italienischen Gesangstücken. Chili & Milan sollten noch nicht gleich losdüsen, denn ich war mir nicht sicher ob ich das richtige tue wenn ich sie gleich ableine, also blieben sie erst einmal an der Leine. Dieses Vorhaben hielt ich schließlich bis zur Hälfte des Wäldstückes durch, dann war mir das Gehedder in den Brombeerbüschen zu viel. Die Roten flitzen sofort los, wie abgeschossene Pfeile – Lenkbarkeit adé. Immerhin: einige der Hunde machten ein Stück Rehwild hoch und sausten samt Milan hinterher. Ich: „DOWN!“ a la Oberstgeneralfeldmarschall und Milan lag. Die anderen Hunde begleiteten das Reh noch ein kurzes Stück, aber nicht weit. Nachdem Durchtreiben des Waldstückchens konnten wir tatsächlich beide Hunde gleich wieder anleinen. Zwei andere Hunde gönnten sich eine etwas längere Auszeit von ihren Hundeführern.

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Nach dem Gehedder mit dem Traktorzug sollte nun das 1. Spargelfeld und ein Stück größere Hecke durch getrieben werden. Spätestens dort fiel mir auf, dass ich mich entscheiden muss zwischen Hund bleibt für den Rest der Jagd an der Leine (und ich erhalte den Gehorsam) oder ich lass die Hunde laufen und riskiere dabei größere Abzüge in Sachen Lenkbarkeit, Gehorsam & Vorstehen, gebe ihnen aber die Chance etwas apportieren zu können. Ja, ich gebe zu: ich wurde schwach und ließ sie laufen.  Eine solche große Treibjagd mit zig durcheinander laufenden Hunden und nach ihnen rufenden & pfeifenden Hundeführern in einem unübersichtlichem Gelände ist nicht der Idealfall um einen Hund einzujagen,  ja eigentlich ist das m.M.n. eher Gift für Hunde wie Chili & Milan. Ideal wären für uns kleine Klüngeljagden (oder Stamper’l oder wie auch immer sie regional heißen) im kleinen Rahmen mit einer riesigen Portion Ruhe & Geduld und die Möglichkeit ganz gezielt auf den Hund einzuwirken. Aber eine solche Chance war uns bisher nicht gegönnt. Ich weiß nicht ob ich jetzt ein schlechtes Gewissen haben soll weil ich ungeduldig geworden bin um sie doch laufen zu lassen oder ob ich mich freuen soll weil wir endlich an unserer 1. Treibjagd aktiv teilnehmen konnten.

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Nach diesem 2. Treiben hatte ich Chili angeleint, als sie ziemlich direkt in eine recht dichte Brombeerhecke anzog. Da ihr Interesse doch höher als normal schien machte ich sie los. Sie fasste sofort ziemlich tief in das dornige Gestrüpp hinein .. und rackerte sich dort tatsächlich mit einer kranken Taube im Maul wieder raus! Das war schon echt eine krasse Aktion von ihr.

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Während der folgenden Treiben konnte mir Chili schließlich noch einen Hasen apportieren bzw. fast apportieren, denn ein ziemlich direkt wirkender DK nahm ihn ihr ganz gentlemanlike kurz bevor sie bei mir damit ankam wieder ab. Schade, es wäre ihr erster Hase gewesen. Trotzdem war ich stolz auf sie!

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Während Milan direkt vor der Treiberwehr fleißig und den Wind nutzend ganz unermüdlich in weiten Schleifen suchte,  wusste ich manchmal nicht genau wo Chili steckte. Meistens grabbelte sie sich durch irgendwelches Schilf oder Hecken bzw. war sie im hohen Senf eh schlecht zu sehen. Beide befanden sich immer in der Nähe der Schützen oder Treiberwehr, gingen also auch nicht solo irgendwelchen Hasen oder Rehen hinterher (von denen reichlich vorhanden waren) aber tlw. waren sie ziemlich schwerhörig was Pfiff bzw. auch Zuruf betraf. Andererseits pfiffen und riefen immer irgendwelche Hundeführer ihe Hunde - ein wahres babylonisches Rufgewirr. Mit Ruhm haben wir uns da ganz sicher nicht bekleckert. Immerhin hatten wir sie nach jedem Treiben wieder am Band.

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Im letzten Treiben zahlte sich auch Milan’s unermüdliche, setterlike Suche aus: er brachte mir einen Fasanengockel. Für mich ein schöner Abschluss für einen gelungenen Jagdtag bei bestem Wetter.

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Insgesamt lagen 2 Rehe, 43 Hasen, 7 Fasane, 5 Tauben & diverses Federwild auf der Strecke. Nach dem Verblasen der Strecke fehlte nur noch eins: das Blasen zum Schüsseltreiben!

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