04. September 2009

Eigentlich dachte ich dass es über unsere Entenjagden nicht mehr viel zu berichten gibt – alle Fotomotive sind gezeigt, alle Stories erzählt – wen soll ich nun damit noch langweilen? Gestern war Entenjagdsaisonauftakt – gleiche Stelle, gleiche Welle, wie die letzten beiden Jahre zuvor. Ich beschloss Chili & Sancho mitzunehmen. Da ich es dem „good old boy“ temperaturmäßig noch zumuten kann, sollten die ersten Entenjagden ihm gehören – Milan blieb zu Hause. Mir war im Gedächtnis mit wieviel Freude & Passion letztes Jahr bei den beiden Entenjagden aufgeblüht war und das wollte ich ihm nicht vorenthalten.

Ein langer Entenjagdtag mit insgesamt 5 Treiben und etwas über 300 Enten am Ende des Jagdtages auf der Strecke lag vor uns. Als die ersten Schüsse fielen war Sancho kaum zu halten (eigentlich nicht so toll, wenn der Hund zu sehr übersprudelt und ich hab ihn auch gezügelt). Wir bekamen einen der „bad jobs“ bei den man die hauptsächlich sichtig – halbsichtig apportierenden Labbis eher raushält – es ging durch dichtes Gestrüpp und große Schilffläche. Aufgabe: Schilf auf Links drehen und dann wieder auf Rechts und umgekehrt. Ich hörte es nur noch Rascheln & Schnaufen – beide machten ihren Job. Die erste Ente (noch lebend aus dem Schilf „gebuddelt“) brachte erstaunlicherweise Chili – nicht Sancho, der „leer“ immer mal wieder bei mir vorbeischaute. Sonst bekam ich ihn immer nur zu sehen, wenn er wirklich was bringen konnte. Das machte mich stutzig. Bei diesem Treiben lag nicht viel – weiter gings mit dem 2. Treiben.

eja 02
eja 07
Chili kämpfte sich durch den dichten und ca. 5-10m breiten Schilfgürtel am Ufer wie eine Walze, durchkämmte Gestrüpp, ließ sich von ihrer Nase leiten – wollte sich aber von mir vom Uferschilfgürtel aus nur schwer aufs offene Wasser schicken lassen – ein hausgemachtes Problem in diesem Gebiet, denn die Hunde lernen schnell dass es im Schilf mehr zu holen gibt, dort haben sie den meisten Erfolg – wozu dann aufs offene Wasser rüber kämpfen, wenn da vielleicht weder was zu sehen noch zu riechen ist? Ein Problem was sich nur durch diesen Spruch lösen lässt: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Letztes Jahr hab ich sie z.T. so voran-geschimpft, dass sie tlw. gar keine Lust mehr hatte – diese Aktionen gingen dann auch noch „leer“ aus so dass der Hund durch diesen unangenehmen Misserfolg lernte sich eben nicht voranschicken zu lassen im Wasser – ich Depp! Hatte am Gras gezogen und es fast ausgerissen. Wenn sie was in die Nase bekam ging sie schon und arbeitete tolle Enten – aber nicht wenn ich sie auf meinen Glauben schicken wollte. Gras braucht Zeit zu wachsen. Zum einen hatten wir dieses Jahr ja diese grandiose Eisjagd wo sich viele Hebel im Kopf von Chili & Milan umgelegt hatten und zum anderen braucht ein zwar passionierter & begabter Hund einfach Zeit zu reifen um seine Erfahrungen zu sammeln. So war es dann auch: beim 3. Treiben war es mir möglich sie auf eine außerhalb des ufernahen Schilfgürtels weiter draußen treibende Ente, halbsichtig einzuweisen (ich konnte ihr von einer Erhebung die Ente hinterm Schilfgürtel treibend zeigen). Klick! Da war er: der Lernerfolg. Mein Mädchen schwamm weit raus während ich das „Voran!“ immer wiederholte und sie lobte. Das wiederholte ich so oft es ging. Mal mit Sichtkontakt und dann zunehmend ohne, auf guten Glauben eben. Bis hin zu einer Einweisung auf weite Distanzen und ohne Wind oder Sicht. Neben diesen Sachen arbeitete Chili auch ganz mit Nase und nach ihrer Facon einige noch lebende Enten aus, ging weit stöbern und arbeitete .. sie arbeitete die „Agent 007 James Bond Jobs“, die sonst Sancho gearbeitet hatte.

eja 05
eja 08
eja 11
Sancho wiederum arbeitete zwar auch einige dieser 007-Aktionen, aber weitaus nicht mehr so viel wie früher. Er begann die bereits am Rand liegenden und schon apportierten Enten einzusammeln um mir wenigstens etwas zu bringen. Anfangs ließ ich ihn, schimpfte ihn aber auch bald deswegen – mein stolzer Engländer wusste nicht weiter. Der Wille war da, aber die Kraft fehlte.

  • eja_01
  • eja_09
  • eja_10
  • eja_12
  • eja_15
  • eja_16
  • eja_17
  • eja_19

Beim dritten Treiben stand er plötzlich hinter mir schmerzverzehrt, zitternd, deutlich gequält, wollte nicht mehr ins Wasser – das war früher undenkbar. Na toll! Ich untersuchte ihn, konnte nur ein paar Ameisen von ihm absammeln und er kratzte sich am Auge – ob ihn da eine Ameise getroffen hatte? Am Auto versorgte ich ihn mit einem dieser zuckerreichen Joghurtdrinks und einem Mettwursstückchen. Das half ihm auf und weiter ging es.

Ein Treiben bargen wir zusammen mit einem Drahthaargespann 44 Enten (da hatten wir mal nachgezählt)! Ich ließ Sancho arbeiten wie er wollte, während ich Chili zunehmend in die schwierigen Jobs einwies.

Das letzte Treiben hielt sich Sancho wieder ganz raus, apportierte mir wieder ein paar Landenten, während ich mit Chili komplizierte ein paar komplizierte Jobs arbeitete. Ich beendete dann den Tag – wollte Chili nicht überstrapazieren und wollte dass sie den Tag mit einem Erfolg beendete, Sancho wollte eh nicht mehr. Wir waren fast die letzten die gingen – ein DD-Führer holte mit seinen 5 DD’s noch ein paar „Eisen“ aus dem Wasser – nachgesucht wird nochmal am nächsten Morgen. Hunde abgerubbelt, gefüttert, kontrolliert & versorgt – dann ging auch ich Essen um dann wieder nach Hause zu fahren.

Diese Jagd hat mir ganz deutlich gezeigt: Jung wechselt Alt ab. Chili übernimmt jetzt voll Sancho’s Jobs – aber auch sie hat ihre Zeit & Erfahrungen zum Reifen gebraucht.

Ich schwanke nun: nehm ich Sancho nochmal mit? oder lass ich ihn ganz zurück? War es das? Einen vollen Entenjagdtag hält er nicht mehr durch – ihn einige Treiben im Auto zu lassen geht nicht – da würde er wohl an einem Herzkaspar sterben, sobald die ersten Schüsse fallen und er nicht dabei ist. Ihn tlw. an der Leine lassen? Da würde er zu sehr auskühlen. Ihn zu Hause zu lassen fällt mir auch schwer – dann hat er gar nix mehr, kleine Entenjagdmöglichkeiten hab ich derzeit nicht.

eja 20