25. Oktober 2009

Ich gebe zu, dass das Bestehen dieser Prüfung auf recht wackeligen Füßen stand. Eigentlich hab ich viel zu spät mit Schweiß angefangen. Geübt haben wir Übernacht- bis 20 Stunden Fährten zwar mit der geforderten Schweißmenge aber mit Wasser 50:50 verdünnt. Beide Hunde waren an den Punkt angekommen wo sie sich duch die Kunstfährten aus Haustierblut gelangweilt & vera**t fühlten und lieber den Verleitungen nachgingen. Vorteil bei Chili war, dass ich sie gut lesen konnte wann sie den Verleitungen nachging – bei Milan hatte ich den Dreh noch nicht raus. Auch mit der Standruhe war das so eine Sache. Wir hatten nie Gelegenheit gehabt bei einem simulierten Standtreiben dabei zu sein und am Donnerstag waren wir noch auf Entenjagd. Wir pokerten also hoch als wir gestern im strömenden Regen zur Prüfung antraten.

Der dortige Jagdhornbläserchor konnte die Prüfung draußen stimmungsvoll anblasen. Gerade hatte es noch geregnet, kamen jetzt die ersten Sonnenstrahlen hervor .. dazu die prächtige Herbstfärbung .. genießen kann ich das erst jetzt wo ich die Prüfung nochmal in Gedanken revuepassieren lasse. Die Hunde sollten beim Anblasen dabei sein, was für mich irgendwie voll kontraproduktiv war denn jetzt drehten Chili & Milan erst richtig auf.  Ich hoffte nur dass das Standtreiben erst später am Tag kommt.

Am Start waren zusätzlich zu meinen 2 Roten noch ein Gordon Setter, ein Weimaraner und ein Großer Münsterländer. Nach der Begrüßungsrede durch den Prüfungsobmann des Pointer und Setter Vereines – Landesgruppe Sachsen / Sachsen-Anhalt / Thüringen - ging es ins Revier. In meinen Augen war das Revier wunderschön, sah aus wie Brandenburger Sandbüchse Kiefernwald, jedoch abgewechselt mit zahlreichen Offenflächen (Wildäcker, Wiesen, Felder) und Gewässern – es versprach das Vorkommen von Wild.

Dann ging es los und es kam wie es kommen musste: „Bitte alle Hundeführer am Waldrand Aufstellung zum Standtreiben nehmen!“  Wie und wo es auch immer ging, hab ich vorher versucht meine Roten zur Ruhe zu Mahnen und vielleicht war davon ein wenig durchgesickert. Ich hatte beide Hunde neben mir abliegen, und einer der Richter schoss für mich. Chili & Milan waren erst einmal sprachlos von diesem lauten Treiben da im Wald – so kannten sie das ja noch nicht – es wurde geballert was das Zeug hergab „Hepp-hepp Hopp-hopp Heißa, Heißa“ und „Bauuum fääälllt!“ Nunja, wir haben es überstanden. Beide Hunde waren zwar gespitzt wie ein Pfeil und hätten da auch sehr gern mitgemischt, aber da war das Treiben ja dann auch schon vorbei.
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Ja und weil wir gleich mit den „Lieblingsfächern“ gestartet haben, ging es auch so weiter: als nächstes Fach Schweiß. Mein Mann hat es recht treffend beschrieben: das zeitmäßig bedeutenste Fach auf einer Prüfung heißt „Warten“. So warteten wir bis erst die anderen Führer ihre Schweißfährten – erfolgreich – gearbeitet hatten.

Ich startete als erstes mit Chili. Die Richter wiesen mich ordnungsgemäß am Anschuss ein. Chili war irgendwie noch völlig kirre und irgendwie durch den Wind – das zeigte sich auch an ihrer Arbeit. Ich hatte das schonmal besser bei ihr gesehen und prompt kassierten wir recht bald unseren 1. Abruf.  Also hab ich Chili nochmal ablegen lassen, mich gesammelt, den Hund gesammelt .. und weiter gings. Bald darauf nahm das Unglück seinen Lauf: Chili ging recht zügig auf der Fährte bis vor einem Gebüsch, hob Kopf & Vorderpfote und war durch ein „ZURRRR FÄHRRRTE!!!“ nicht mehr dazu zu bewegen die Fährte wieder aufzunehmen. Ich legte sie also ab und es passierte das was ich auf ‘ner Prüfung keinem wünsche: 10m vor uns sprang ein Reh auf – es lag direkt auf unserer Fährte!

Von diesem Punkt an wusste ich warum Schweißarbeit eben Schweißarbeit heißt. Ich ließ Chili zwar erst einmal abliegen, aber dann mussten wir ja weiter. Dumm war: der Regen hatte jeglichen Schweiß weggespült, nur ab und zu konnte man Spuren im Gras oder Gebüsch erkennen .. aber da war ja nicht nur eine Spur zu sehen. Ich kämpfte mich mit Ablegen, Vor- und Rückgreifen und mit vielem Anrüden Meter um Meter weiter auf der (vermeindlichen) Fährte .. gefühlte 10km oder so .. ich konnte sie ja halbwegs gut lesen. Als ich dann das Stück (eine Rehwilddecke) sah wollte ich es kaum glauben: wir hatten es ohne weiteren Rückruf erfolgreich zu Ende bringen können. Ich dampfte und mein Kopf qualmte vor Konzentration und Anstrengung. Da war das von den Richtern gewünschte „Waidmannsheil“ wie Balsam für die Seele. Der Bruch wurde überreicht und das Stück stimmungsvoll verblasen. Wir hatten es geschafft. Das Ablegen am Stück hatten wir vorher zwar nur an Schleppwild üben können, aber ich wusste dass ich mich auf Chili verlassen konnte: bei der letzten Übung vor der Prüfung hatte ich Chili etwas neben dem Weg an einer Schleppwildente abgelegt. Etwas entfernt tobten Kinder durch Gelände und diese hatten wohl einen Hasen hochgemacht. Als ich zu Chili ging um sie vom Ablegen zu erlösen, kam mir auf dem Weg dieser Hase entgegen - der war direkt an Chili vorbeigerannt! Chili lag zwar nicht mehr, aber sie saß wie ein Pfeil gespannt an ihrem Platz.

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Nach einer kurzen Pause ging es weiter mit Milan. Zu meiner Überraschung arbeitete er wie auf Schienen, ließ sich durch das Umhangeln der Schweißleine kaum aus der Ruhe bringen, puzzelte die Fährte in aller Ruhe aus .. in einem Tempo wo ich auch mal die Schweißleine wegen Verwicklungen kurz los lassen konnte um sie dann wieder aufzugreifen – die Richter waren erfreut. Er lief über 2 Wege & zeigte mir 2 Wundbetten an und dann begann das Desaster: wir kamen in das Gebiet wo sich Chili’s Reh reingeflüchtet haben konnte. Und damit war es vorbei: wir kassierten schließlich 2 Rückrufe weil der Depp mich auf den Verleitung fast ohne Punkt und Komma langleitete. Ich hätte ihn .. na ihr wisst schon .. Aaaber: jetzt weiß ich wie ich ihn besser lesen kann, denn er hob doch leicht seinen Kopf, wenn er Verleitung nachging. Die Rückrufe kassierten wir, weil ich ihn dort zur Fährte schickte wo keine mehr war – also zu weit von der Fährte – der Fehler lag also bei mir. Kaum zu glauben dass wir dann doch zum Stück fanden. Wieder war ich schweißgebadet & glücklich als mich die Richter mit einem „Waidmannsheil“, dem Überreichen der Brüche und dem Verblasen des Stückes beglückwünschten. Auch das folgende Ablegen am Stück war kein Problem für Milan.

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Fehlten nur noch 2 Fächer: die Leinenführigkeit und das Schießen im Feld mit Überprüfung des allgemeinen Gehorsams. Diese sollten nach einem kleinen Schüsseltreiben mit Brötchen & frischer Wurst & einem genehmigten Schnäps’ken folgen – letzteren hatte ich irgendwie ziemlich nötig nach der Schweißarbeit. Als wir uns zu den Richtern stellten um die Leinenführigkeit prüfen zu lassen, sprach der Richterobmann Chili an und diese erwiderte das freundliche Ansprechen sofort mit einem typischen Chili-Lächeln: sie grinste den Richter mit blitzweißen Zähnen und dem Charme einer Grand Lady an! Keiner der Richter konnte sich diesem Charme entziehen und alle lachten. Dies wird uns wohl ein „eingetragenes Lächeln“ als spezielles & zusätzliches Leistungsabzeichen bringen. Die fehlenden Fächer erledigten wir schließlich ohne Probleme.

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Am Ende konnte ich es kaum glauben: wir hatten es tatsächlich geschafft die Prüfung zu bestehen. Zusammen mit der AZP/HZP, die in Thüringen anerkannt werden,  sind meine beiden Roten nun voll brauchbar. Ist schon ein dolles Gefühl 3 brauchbare Hunde im Haus zu haben.

Trotzdem: ich brüste mich nicht mit dieser Leistung auf der Schweißfährte. Im Gegenteil: die Prüfung hat mir gezeigt welche Lücken wir auf diesem Gebiet zukünftig bearbeiten müssen. Beide Hunde zeigen zwar für einen Setter gute Anlagen auf diesem Gebiet, aber in Sachen Gehorsam auf der Fährte müssen wir noch einiges tun.