03. Oktober 2008

Neben unserem Umzug und einem Gasthund zur Ausbildung bei uns für 3 Monate, war eigentlich wenig Zeit für die Ausbilung unserer Roten für die Herbstprüfungen übrig geblieben. Trotzdem wollten wir es nicht unversucht lassen und übten so oft wie eben Zeit übrig war. In der Hoffnung beide bis zur Prüfung genügend vorbereitet zu haben, und in der Enge der für die AZP angebotenen Termine mit passender Örtlichkeit meldete ich Chili zur HZP und Milan zur AZP an einem Prüfungstag beim Verein für Französische Vorstehhunde der LG Bayern. Als preußischer Hundeführer englischer Vorstehhunde! beim französischen Vorstehhundeverein in Bayern .. die Diskrepanz hätte mir eigentlich früher ins Auge fallen sollen .. aber naiv wie ich bin hab ich da keine Diskrepanz gesehen.

Klar gab es bei den Vorbereitungen für die Prüfung bei beiden Hunden Auf’s und Ab’s, aber die Ab’s zeichneten sich nie so stark und scheinbar unüberwindbar ab wie bei den Vorbereitungen von Sancho & Jens damals zu BP bzw. HZP. Beide Hunde kamen jeweils einmal vor der Prüfung zum Realeinsatz auf Entenjagd und zeigten sehr gute Arbeit.

Eine Woche vor der Prüfung waren wir nochmal bei unserem Freund Michael im Münsterland eigentlich wegen anderer Dinge, aber es kam so dass ich mit Chili & Milan die Möglichkeit hatte das ganze Programm der Wasserarbeit inkl. lebender Ente üben zu dürfen. Für beide Hunde war es die 1. und einzige lebende Trainingsente die sie arbeiten konnten, da ich vorher keine weiteren Möglichkeiten dafür hatte – eben nur die Entenjagd, wo sie aber so recht gute Arbeit gezeigt hatten, dass ich auch ohne diese einzige Trainingsmöglichkeit darauf gepokert hätte, dass sie einen guten Job bei der Prüfung zeigen würden.

Und so war es auch: neben Milan & Chili waren auch noch 2 andere DD & Führer dabei die kurz vor der Prüfung nochmal eine lebende Ente arbeiten sollten. Im einzelnen kann ich gar nicht mehr wiedergeben wie jeder meiner Hunde gearbeitet hatte, aber alle Arbeiten (tote Ente mit Schuss aus dem Wasser apportieren, Arbeit an der lebenden Ente und Ente im deckungsreichen Gewässer suchen und bringen) meisterten sie mit Bravur. Der Satz eines der DD-Führer, der vorher noch sagte „Ein Setter steigt mir nicht ins Auto.“ wird mir wohl noch lange Zeit im Gedächtnis bleiben: „Da muss man sich doch überlegen, ob man sich nicht doch einen Setter zulegt.“ Und ein Tag danach versuchte er es noch einmal mit einem nicht ganz ernst gemeinten Tauschangebot und fragte ob ich meine Chili wohl gegen seine DD-Hündin eintauschen würde.

Die paar kleinen Baustellen bei dem ein oder anderen meiner Setter (Führigkeit in der Suche, Schleppfährte, Vorstehen, Annahme des Wassers auf Kommando) bügelte ich dann noch in der Zeit vor der Prüfung so aus, dass ich insgesamt ein gutes Gefühl hatte und bereit war zur Prüfung anzutreten. Beide arbeiteten gerne und auch recht zuverlässig – es sind Hunde die wirklich Freude bei der Arbeit bereiten.

Klar hatte ich natürlich Mega-Bammel vor der Prüfung – immerhin würde ich gleich 2 Hunde gleichzeitig führen! Hinzu kam dass ausgerechnet die Woche vor der Prüfung meine Mandeln derartig anschwollen dass ich den Prüfungstag inkl. Hin- und Rückfahrt nur ständig Bonbon-lutschender-Weise überstanden habe obwohl ich nun absolut kein Süßigkeiten- oder gar Bonbon-Fan bin! Aber egal ..

Ich glaube wir fuhren morgens um 4 Uhr los .. es war himmelsschreiend früh, aber immerhin war die Autobahn so weit frei dass wir pünktlich am Suchenlokal ankamen. 12 Hunde waren am Start – zu VPS, VGP, HZP, AZP und VAP gemeldet – Jagdhunde von 8 unterschiedlichen Rassen deren Namen ich tlw. gar nicht aussprechen konnte. Die Gruppe wurde eingeteilt in 2 Gruppen: 4 Hunde mit VPG/VPS und die anderen 8 Hunde starteten zu AZP, HZP und VAP.

Nachdem der Papierkram erledigt war, ging es auch schon los ins Revier. Als erstes Fach wurde die Schussfestigkeit und der allg. Gehorsam geprüft. Da kam es schon zum 1. Dilemma: kaum 100m neben uns prüften die VGP’ler/VPS’ler Schussfestigkeit im Feld und Milan meinte, nachdem ich ihn von der Leine ließ, dass es dort sehr interessant sein musste und flitze im Affentempo dorthin. Ich hatte einige Mühe ihn wieder „zu uns“ zu holen um die geforderten Schüsse abgeben zu können, aber G.s.D. blieb sein Ausflug im Rahmen der Prüfbarkeit. Innerlich war ich natürlich ziemlich angepisst („Sowas hat er ja noch nie gemacht“). Mit Chili lief das schon weitaus besser – alles okay.

HZP Setter

HZP Setter

Dann durften sich alle Hunde auf einer Wiese mit anschließendem Schilf & Dickicht in Suche & Vorstehen versuchen. Chili machte das wunderbar – ließ sich ausnahmsweise gut führen im Feld, bekam Wind vom Fasan und stand vor. Milan – von seinem eigenständigen Ausflug beflügelt – ließ sich wesentlich schlechter führen. Vor ihm waren schon alle Hunde auf dieser Wiese geführt worden und ein Hund hatte dort einen Fasan gekillt, so dass seine Nasenarbeit gegen meine Auffassung der Suche stand. Letztendlich kam auch er zum Vorstehen und machte seinen Punkt. Auch die Stelle wo der Fasan von einem anderen Hund zuvor gegriffen woden war, zeigte er an.

HZP Setter

HZP Setter

Nun gab es die erste Auswertung zu diesen Fächern: Chili wurde in allen bis dato geprüften Fächern mit 10 benotet und Milan außer in allem die 10 bei der Suche noch eine 11. Super! Was sollte jetzt noch schief gehen?

Die Haar- und Federweildschleppen arbeiteten beide super, zuverlässig und im hohen Tempo. Wild wurde von beiden in die Hand ausgegeben. Nur einmal erschrak Milan bei seiner Arbeit auf der Schleppe, als er auf den Richter trief (er hüpfte regelrecht auf den Richter drauf als er über das Gebüsch sprang) – er stutze, überlegte und nahm dann ohne Probleme auf und brachte zurück. Alles bestens – ich wurde zunehmend lockerer.

HZP Setter  HZP Setter

HZP Setter  HZP Setter

HZP Setter  HZP Setter

HZP Setter  HZP Setter

Dann kamen wir zu den letzten Fächern am Wasser. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass der Prüfungsleiter plötzlich die Prüfung verlassen musste und dafür ein Hilfsrichter aus den Reihen der französischen Vorstehhundeführer einsprang. Chili kam als erstes dran und arbeitete die tote, geworfene Ente mit Schuss so zuverlässig wie immer. Dann ging es an’s eingemachte: die lebende Ente. Wir wussten, dass die von uns mitgebrachten Enten aus dem Münsterland (es war vorgeschrieben, dass jeder Hundeführer seine eigenen lebenden Enten zur Prüfung mitzubringen hatte) einen recht verwegenen Ruf haben: sie sind sehr gerissen wenn es ums fiese tauchen & verstecken im Schilf und unter der Wasseroberfläche geht.

Die Ente wurde für Chili nichtsichtig über den Schilfgürtel aufs offene Wasser geworfen und dann sollte ich Chili daran arbeiten. Sie sprang mit einem Satz durchs Schilf Richtung Wasser und kam direkt an die Ente, welche sich gleich flatternder & tauchender Weise davon machte, Chili hinterher .. dummerweise entkam die Ente so, dass sie sich direkt 1 höchstens 2m vor den Stiefelspitzen des einen Richters quasi am Landrand des Schilfgürtels und ungünstig für den Hund im Wind versteckte. Chili suchte, grub das Schilf durch, arbeitet sich durch die Wasserfläche, kam zwar in die Nähe, aber bekam keinen Wind von der Ente. Schließlich fragte ich ob ich sie lenkender Weise unterstützen, oder das lieber unterlassen sollte, bekam aber nur eine vage Antwort .. die ich (da wird der Fehler liegen) als JA deutete. Also lenkte ich sie so durchs Schilf, dass sie Wind von der Ente bekam, sie stand dann noch kurz vor der Ente vor (das hätte uns eigentlich eine Verbesserung der Note im Vorstehen bringen können, oder?), griff zu & brachte. Meine Gedanken waren, dass sie zwar schon etwas Pech hatte mit der Lage der Ente, sie aber sonst keinen schlechten Job gemacht haben musste. Auch die Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer verlief in meinen Augen ohne Beanstandungen.

HZP Setter

HZP Setter

HZP Setter

Nun kam Milan – als letzter Hund – dran. Hier kamen wir zu unserem 2. Dilemma: Milan brachte zwar die tote Ente mit Schuss, aber er ließ sie vor mir fallen („Das hat er ja noch nie gemacht“). Ich war von seiner Aktion schon recht geplättet. Nun denn, es ging nun an die Arbeit mit der lebenden Ente, die wie bei Chili aufs offene Wasser geworfen wurde. Milan kam sofort ran und die Ente verflüchtigte sich in das Schilf, wo der Wind vom Wasser reinbläst, und an Land rausbläst. Er nahm das Schilf an und krempelte es um während die Ente auf Schleichfahrt aus dem Schilf verschwand und dort erlegt wurde. Milan konnte dies nicht sehen. Er kam aus dem Schilf am gegenüberliegenden Ufer und lief gegen den Wind – ließ sich aber nicht via Ruf & Pfiff von mir in die Mitte des Teiches zur Ente lenken. Das hatte dann auch seinen Grund. er machte eine 2. Ente hoch die er bereits in der Nase hatte. Diese tauchte von ihm weg aufs Wasser und im selben Moment erblickte er dann noch die bereits erlegte tote Ente auf dem offenen Wasser. Die brachte er dann und gab in die Hand aus. Leider spuckte er mir dann die tote Ente von der Verlorensuche im deckungsreichen Gewässer auch vor die Füße – ich hätte mit dem Kopf gegen die Wand schlagen können! Mein Fehler! Da Milan nicht nur 1 sondern 2 Enten hochgemacht hatte, das Schilf fleißig umgekrempelt hatte, trotzdem die Ente apportiert hatte, dachte ich dass er mit seiner Arbeit wohl recht gut benotet werden würde – natürlich mit Abzügen in Apport, Führigkeit bzw. Gehorsam .. so MEINE Gedanken.

Es kam anders. Und ehrlich fühlte ich mich durch das Ergebnis ziemlich abgebügelt. Noch dazu weil mir dann der Hilfsrichter am Tisch ins Gesicht sagte: „Er hätte insgesamt auf einer Prüfung noch nie solch schlechte Wasserarbeit gesehen.“ Zugegeben, ein KLM „knutschte“ die lebende Ente ab, statt sie zu bringen und ein Gordon machte rund um den Teich und anschließendem Wald doch ziemlich sein eigenes Ding, aber die Arbeit der anderen Hunde war sonst nicht unbendingt schlecht .. dachte ich.

Chili bekam überall 10 Punkte und bei der lebenden Ente nur 8. Bei Milan wurde das zusätzliche Herausstöbern der 2. Ente, sowie das Anzeigen des getöteten Fasans in der Nase nur mäßig mit 10 Punkten hornoriert. Für die Arbeit an der lebenden Ente bekam er nur 9 Punkte – was ich gar nicht verstand, zumal er als einziger 2 Enten herausgebracht hatte und sich im Schilf nicht zu schade war. Dass seine Führigkeit nur mit 8, sein Gehorsam mit 7, der Apport der Ente nur mit 5 Punkten hornoriert wurde, war allerdings gerechtfertigt – da hatte er sich wirklich keine Lorbeeren verdient. Aber warum er für die Arbeitsfreude nur 8 Punkte bekam, konnte ich auch nicht ganz verstehen.

Von unserer Gruppe fiel ein Hund komplett durch die HZP, und einer schaffte es mit gerade 115 Punkten durch die Prüfung. Milan und Chili erreichten trotzdem jeweils bei HZP (174) und AZP (165) einen 2. Platz – Suchensieger der Herbstprüfung wurde ein Braque Francais Rüde.

Freuen kann ich mich darüber, dass meine Hunde in meinen Augen eigentlich eine recht gute Arbeit gezeigt haben .. naja gut, bis auf Milan, der meinte an diesem Tag in Sachen Gehorsam seinen Stinkefinger auspacken zu müssen. Eine relativ kurze Vorbereitungszeit, 2 Hunde auf einmal führen, als englisch führender Preuße inmitten von französisch führenden Bayern - da kann ich schon stolz sein. Außerdem gab es noch ein Trostpflaster von lieben Freunden: ein rosa eingepacktes, mit Banane verziertes, an Cindy (Zündti) addressiertes Päckchen mit in der DDR hergestellter Schrotpatronen.

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