10. November 2006

Noch am Montag morgen hatten wir die letzte Schweißfährte mit Sancho gearbeitet – es war ein Desaster höchsten Grades! Die ganze Schweißarbeit war mit Sancho wie Russisch Roulette. Ob wir die Schweißarbeit schaffen könnten war ein Glücksspiel nach dem Gänseblümchen-Muster: er schafft es – er schafft es nicht – er schafft es – er schafft es nicht ..

Alles für die Prüfung zu besorgen war ebenfalls von vielen Freunden abhängig: der eine hat uns ein Kaninchen geschenkt, der nächste die Flinte mit den bleifreien Schroten geliehen, noch ein anderer ging mit uns auf Entenjagd um die erforderlichen Enten zu besorgen, der andere ging mit uns Tage vorher noch auf simulierte Treibjagd, der nächste lieh uns sein Auto, wieder ein anderer erklärte sich bereit unsere Hündin in der zeit zu nehmen .. usw.

Am Mittwoch ging es nun los: den ganzen Vormittag wurde alles durchdacht, geplant, gepackt, besorgt, umkümmert .. Das Gepäck und Essen für 2 Personen, sowie das Zeug für die Prüfung mussten in einem 3er Golf verstaut werden. Das Wetter machte uns Sorgen: Sturm & Regen waren angesagt. Nachmittags um 15 Uhr war es dann soweit: wir verließen Tharandt um 6 Stunden Richtung Osnabrück zu fahren.

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Dort vor Ort suchten wir uns für die Nacht ein Plätzchen an einem Feldweg außerhalb der Ortschaft. Gar nicht so einfach, denn es war dunkel, regnerisch und stürmisch. Letzteres bereitete uns die größte Schwierigkeit beim aufbauen der Schutzplane. Ganz in abenteuerlich-romantischer Weise machten wir uns dann eine heiße Suppe und Glühwein warm. Die nächste Hürde war: wie können 2 Erwachsene, 1 Hund und Gepäck in einem Golf übernachten? Mit ein bisschen logistischem Geschick gelang auch dies.

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Ihr könnt euch vorstellen wie die Nacht war: die Gedanken umkreisten den nächsten Tag, Rücken und Beine beschwerten sich über die Enge und der Sturm zergelte besorgniserregend an Auto und Plane .. Morgens um 5Uhr klingelte der Wecker. Gott sei Dank hatten sich Sturm & Regen aufgelöst, so dass wir in Ruhe frühstücken konnten. Danach musste alles wieder eingepackt und ordentlich verstaut werden. Und Sancho sollte noch ein paar Meter vor dem Prüfungstag unbeschwert laufen können. So zog ich mit ihm im Dunkeln los – ohne ihn anzuleinen und genau das war der Fehler: nach 10m machte er einen Hasen hoch und rannte davon. Ich hätte mir tausend Zeitungen über den Schädel hauen können! Nun stand ich da, 20min vor der Prüfung ohne Hund. Toll! Nach 5min kam er abhetzt und über das Gesicht strahlend wieder zurück – er hatte nun seinen Auslauf gehabt ..

Gegen 7Uhr versammelte sich alles im Suchenlokal. Gemeldet waren 22 Hunde – davon nur 3 zur BP und der Rest zur HZP. Alle Führer waren etwas nervös und angespannt. Nach der Anmeldung fuhr unsere Gruppe (6 Hunde: 5 Hündinnen, eine davon läufig und Sancho als einzigster Rüde) als erstes los. Unser Chefrichter hatte vor, mit uns die schnellste BP der Welt abzulegen – zumindest kam es mir so vor. Im Affenzack fuhren wir ins Revier, Hunde ausladen – zack .. zack – Hund losschicken, 2x schießen, Hund anleinen und fertig .. der nächste bitte!

Schussfestigkeit im Feld
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anleinen & fertig
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Dann wurden sofort im Anschluss die Haarwildschleppen gelegt. Wir kamen immer an 5 Stelle dran. Sancho machte seine Arbeit sehr gut.

auf der Schleppfährte kurz bevor sie über zum Graben biegt
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gefunden & gebracht
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Ein Hund musste vor einer Herde wütender Fersen fliehen .. naja ..auch er schaffte es. Während der letzte Hund (die läufige Hündin) noch ihre Schleppe arbeitet, fuhr der Tross schon ein paar hundert Meter weiter, um für die HZPler vorstehen und Suche zu prüfen.

Dann wurde es ernst für uns: wir waren mit unserer Schweißfährte dran.

Fertig für die Schweißarbeit: Suchengeschirr und Leine haben wir dabei!
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Raus aus dem Auto .. zack .. zack .. ging der Chefrichter mit mir zum Anschuss, der sich auf dem Feld befand. Ich versuchte trotzdem, Ruhe in den Hund zu bekommen und losgings. Sancho hielt sehr gut die Fährte – es war auch noch ein bisschen zu erkennen, da auf dem lockeren Boden des Feldes noch Fußstapfen zu erkennen waren. Dann musste Sancho über einer Asphaltstraße im Wald den weiteren Fährtenverlauf finden.

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Auch das machte er sehr gut. Er verwies sogar 2-3x Schweiß – was er sonst nie so richtig machte. An einer Stelle faselte Sancho etwas und die Richter benahmen sich doch etwas merkwürdiger, so dass ich ihn ablegte. Er suchte sich zurück zur Fährte und wir fanden die am Ende abgelegte Rehwilddecke – bestanden! Ich konnte es kaum fassen, aber bevor ich richtig dazu kam mich zu freuen hieß es: „Haben Sie die Umhängeleine dabei? Ich nehme Ihre Schweißhalsung und –leine. Zeigen Sie bitte hier die Leinenführigkeit.“ Ich kroch mit Sancho so 10m durch den unterwuchsreichen Bestand, kam wieder auf die Straße, da hieß es schon: „Stellen Sie sich bitte dort mit Flinte auf, wir machen jetzt das Treiben.“ Schweißarbeit, Leinenführigkeit und Treibjagd dauerten kaum 20min, da ging es dann schon weiter.

simuliertes Standtreiben
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Wir fuhren mit Eiltempo zu dem Wasserarbeitsteich – dem wohl einzigsten dort in der Nähe, denn er musste für alle Hunde reichen. Die Wasserarbeit dauert pro Hund etwas länger, so dass das Warten bis wir als „Hund Nr. 5“ aufgerufen wurden uns wie eine Ewigkeit vorkam.
.. warten ..
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Ein Hund vor uns fiel durch, da er das Wasser nicht richtig annahm. Ich muss dazu sagen, dass Sanchos bestes Fach die Wasserarbeit ist, mir aber da etwas mulmig wurde. Dann kamen wir dran: eine tote Ente wurde aufs Wasser geworfen und während Sancho darauf zu schwamm, wurde ein Schuß aufs Wasser hinter der Ente abgegeben. Der Schuss fiel und Sancho drehte bei, in Richtung Ufer zurück – Panik machte sich mir breit. Auch wenn man das nicht sagen soll, aber Sancho hatte wirklich noch nie Probleme damit. Ich vermutete dass der Zink-Schrot wohl etwas lauter, anders eben geklungen oder er doch ein Schrotkorn abbekommen haben muss .. irgendwas hat er nicht vertragen. Ich wies Sancho per Hand, ohne Wort noch mal in Richtung Ente und er drehte Richtung Ente und holte sie zu meiner Erleichterung aus dem Wasser – puhhh, mir fiel ein Gebirge vom Herzen!

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Beim Stöbern nach der toten Ente machte Sancho seine Punkte wieder wett: die Richter bemerkten anerkennend seine Lenkbarkeit im Wasser – zudem setzt er wirklich seine Nase zur Suche ein.

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Nun fehlte noch das Stöbern an der lebenden Ente. Die Richter wollten sehen, wie Sancho fleißig im Wasser und Schilf stöbert. Typisch Sancho: er machte wieder seinen „Freischwimmer“ .. schwamm fleißig alles ab, stöberte durchs Schilf und hätte das gerne auch stundenlang weitermachen können.

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Nachdem alle Hunde fertig waren, fuhren wir zurück ins Revier .. zack .. zack .. Nun fehlte noch die Freiverlorensuche und die Federwildschleppe. Hier stellte Sancho wieder einen Rekord auf. In einem halben Meter hohen Senffeld wurde die Ente reingebracht und Sancho zur Suche losgeschickt. Er rannte im Vollspeed los und kam so super günstig in den Wind des Stückes, dass er in Nullkommanichts die Ente hatte und zurück brachte. Der Richter war etwas baff.

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Nun fehlte noch die Federwildschleppe. Sie lief nicht ganz zu meiner Zufriedenheit. Der Richter zog die Ente so, dass Sancho mit Gegenwind arbeiten musste und zudem konnte sich der Schleppenzieher auf dem Feld nicht wirklich verstecken. Sancho lief los, erst auf der Spur und driftete dann aufgrund einer Böe ab. Er suchte sich weiträumig zurück und kam zum Richter. Das muss ihn verunsichert haben, denn er zog noch mal los, wieder zurück zur Spur und kam dann endlich zum Stück. Das Bringen war dann Routine.

der Richter führt uns zum Anschuss
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die Ansetzleine wird angeschnallt
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Sancho arbeitet die Schleppfährte
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Sancho dreht samt Ente eine Ehrenrunde um mich und gibt aus
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Und dann war es soweit: die Richter verkündeten das Bestehen der Hunde, die noch dabei waren (der Hundeführer mit dem durchgefallenen Hund war bereits abgereist). Sie lobten die BPler für ihre gute Arbeit.

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Wir waren glücklich und Sancho musste einige Knutscher über sich ergehen lassen, obwohl er eigentlich als „Lob“ die läufige Hündin im Sinn hatte. Für ihn war es einfach nur ein „schöner Übungstag“ und von Müdigkeit war keine Spur bei ihm zu sehen. Für uns bedeutete es so viel!! Es war allerdings keine euphorische Freude, als hätten wir unerwartet im Glücksspiel gewonnen, sondern eine zufriedene Freude, weil wir das ernten durften was wir gesät haben und Sancho das zeigen konnte was er bereits gelernt hatte.

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Sechs Stunden Heimfahrt lagen nun noch vor uns. Meine „Männer“ schnarchten zufrieden im Auto während ich gedankenversunken und glücklich das Auto Richtung Heimat steuerte .. Mit der BP hört unser Arbeit mit Sancho nicht auf. Das nächste Ausbildungsprojekt ist bereits im Entstehen, und die Sache mit dem Hasen lasse ich auch nicht auf mich sitzen. Ganz ehrlich ich hab damals nur 10€ für Sancho bezahlen müssen – nach den Berechnungen der „Wild und Hund“ ist er jetzt monetär ausgedrückt 2.000€ wert. In meinem Herzen ist er mir unendlich mehr wert. Er hat mich gelehrt. Er war mein Mentor, mein Schleifstein. Wir sind zusammengewachsen und das Bestehen der BP ist nur eine Unterschrift darunter.

Ganz besonders danke ich meinem Mann – ohne ihn hätten wir das nie geschafft! Er hat fleißig im Regen die Schweißfährten gelegt, mich zur BP begleitet, war derjenige, der vieles mit Sancho geübt hat und in der ganzen Sache der Ruhepool war, den ich gerade in Verzweiflungszeiten gebraucht habe. Ich möchte all denjenigen danken, die an uns geglaubt haben, die uns unterstützt haben, uns immer wieder ermutigt haben – ohne sie hätten wir das nicht geschafft. Ich möchte diejenigen Lügen strafen, die uns entmutigt haben, die nur den unnützen „Straßenköter“ in Sancho gesehen haben, die uns Steine in den Weg gelegt haben – wir haben euch nicht gebraucht. Und ich möchte denjenigen Mut machen, die jetzt noch in der Zeit stecken, wo Rückschritte über Fortschritte dominieren, wo noch oft gezweifelt wird an sich und der Entscheidung für den Hund, wo Tränen den Weg pflastern .. irgendwann werdet ihr das ernten können, was ihr jetzt so mühevoll sät.