Februar / März 2014

Fünf Jahre liegt meine erste Trainingsreise nach Ungarn nun schon zurück - wie schnell die Zeit vergeht! Nun konnte ich das wieder möglich machen - die Absprachen mit Petra & Zsolt ergaben schließlich grünes Licht für mein Reisevorhaben. Ich freute mich riesig auf das Wiedersehen! Dieses Mal fuhr ich nicht allein, sondern Linda und ihre ES-Hündin Missy sollten uns begleiten. Bones, Milan und Ausbildungshündin Gwendy begleiteten mich.

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Nachts um 2:30 Uhr drehten wir den Zündschlüssel um: fast 14 Stunden Fahrt lagen vor uns. Dieses Mal fuhren wir in eine andere Region als wie bei meiner 1. Trainingsfahrt nach Tiszanána. Wir kamen in eine recht arme Gegend, wo fast jedes 3. Haus zum Verkauf stand oder dem Verfall preisgegeben war, eine Gegend mit einem wachsenden Anteil an Sinti & Roma und leider recht hoher Arbeitslosigkeit. Aber auch eine Gegend mit schier unendlich weiten, extensiv landwirtschaftlich genutzten Flächen an den Ufern der Theiß: riesige Raps- und Getreidefelder wechselten sich mit Altgras- und Rietflächen ab. Heiße Thermalquellen mitten auf dem Acker, Lipizzianer und wundersame Eulen rundeten das Bild ab.

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Am späten Nachmittag kamen wir endlich an und wollten zuerst die Hunde nach dieser langen Fahrt einfach nur Rennen lassen. Es war ein herzliches Wiedersehen mit Zsolt, der sich anscheinend in den vergangenen 5 Jahren noch einige Brocken Deutsch zugelegt hatte. Und es war ein befreiendes Gefühl, wieder da zu sein und die Hunde sorgenfrei über die weiten Flächen brettern zu lassen. Schließlich bezogen wir unsere Unterkunft - ein liebevoll und praktisch eingerichtetes Ferienhäuschen mit einem umzäunten Garten ganz in der Nähe der Theiss, welches sich allerdings nur mit einem kleinen Kamin beheizen ließ. Zsolt hatte Holz für uns besorgt und auch den Kamin schon angeheizt - trotzdem war das ganze Haus ziemlich kalt. So fielen wir nach dem Auspacken, Hunde versorgen und Abendbrot ziemlich müde in unsere recht kalten Betten.

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Der Tagesablauf der kommenden Tage war wie folgt: gegen 6:45Uhr klingelte mein Wecker. Aufstehen, Hunde in den Garten lassen und erst einmal den Kamin anheizen. Vor dem Kamin sitzend gab es dann erst einmal Frühstück. Um 8:30Uhr haben wir uns mit Zsolt getroffen und es ging ins Revier. Mal auf weite Flächen mit geringerem Fasanenbesatz, mal auf kleine strukturierte Flächen mit gutem Fasanenbesatz. Nacheinander durfte jeder Hunde mind. eine Fläche absuchen - mal im Solo, mal im Paargang. Leider hatten wir nur an einem Tag mal die Möglichkeit, tiefer in die Reviere zu gelangen, da Zsolt sich ein Offroadfahrzeug ausleihen konnte - abseits befestigter Wege fuhr man sich ohne Allradantrieb hoffnungslos fest, was ich leider mehrmals feststellen musste. So hielten wir uns meist in der Nähe von Tiszanána an den befestigten Wegen auf. Gegen Mittag waren alle Hunde zum ersten Mal am Tag richtig k.o., so dass eine Mittagspause bis um 14:00Uhr anstand.

Am Nachmittag ging es erneut in die Reviere. Wieder stand für jeden Hund mind. ein Suchengang an. Außerdem trainierten wir mit den jungen Hunden auch an ausgesetzten Fasanen - eine Praxis, die in Ungarn trotz des guten Federwildbestandes durchaus üblich ist. Erst wenn die Sonne schließlich begann unterzugehen, waren auch wir fertig mit unserem Trainingstag - die Hunde ausgepowert, von den vielen Eindrücken und Erfahrungen profitierend und glücklich. Es ging zurück zu unserer Unterkunft, die dank unseres konsequenten Heizens tatsächlich von Tag zu Tag wärmer wurde. Nachdem wir die Hunde versorgt hatten, gab es für uns Abenbrot vor dem flackernden Kamin, wo wir die Erlebnisse des Tages noch einmal mit einem Glas ungarischen Rotwein Revue passieren lassen konnten.

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Ein wunderbares Erlebnis hatten wir am 2. Trainingstag: während einer Suche auf einer Altgras-Rietfläche stiegen vor uns 5 bis 6 Eulen auf. Es war ein magischer Moment wie diese lautlosen Vögel vor uns aufstiegen und davonflogen. Auch in den folgenden Tagen trafen wir bei unseren Suchengängen ab und zu auf diese seltsamen und irgendwie zauberhaften Vögel. Ich nehme an, dass es sich um Sumpfohreulen handelte, aber so ganz sicher bin ich nicht.

Am 3. Tag durften wir Zsolt mit auf die Jagd begleiten - es ging zum Ansitz auf Fuchs, Dachs oder Marderhund. Mit dem Offroadfahrzeug wurden wir zu unserer offenen Kanzel gefahren. Maximal 1 bis 1,5 Stunden sollte der Ansitz dauern. Das freigegebene Wild kam natürlich nicht. Dafür zog mit zunehmender Dämmerung bis in die Dunkelheit hinein ein Schof Gänse nach dem anderen direkt über unsere Köpfe hinweg - ein beeindruckendes Schauspiel! Die Gänse flogen teilweise so nah an uns vorbei, dass wir sie vielleicht mit einem Besenstiel hätten touchieren können. Aus den maximal 1,5 Stunden Ansitz wurden locker 2 Stunden und wir fragten uns schon ob man uns vergessen hatte. Schließlich waren wir doch heilfroh, als die Lichter des Suzuki am Horizont auftauchten um uns abzuholen.

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Am 4. Tag stieß Petra mit ihrem IRS-Rüden Beri, einem Sohn vom mittlerweile leider verstorbenen Andy, zu unserer Suchengruppe dazu. Das war ein schönes Wiedersehen und schnell fanden wir in unsere Fachgespräche und Scherzereien zurück - mit einem Kauderwelsch aus Deutsch, Englisch und Ungarisch - kein Problem, die gemeinsame Passion verbindet und hilft über alle Sprachbarrieren hinweg. Sie hat von unserem Training ein sehr schönes Video zusammengestellt:



Am Nachmittag des 5. Tages entschlossen wir uns zu einer Pause. Den Vormittag konnten die Hunde nur schlecht Wild finden und irgendwie war die Lust raus. So entschlossen wir uns zu einem ungezwungenen Spaziergang an der Theiss. Die Hunde durften nach Herzenslust an den schilfigen Ufern der Theiss stöbern. Bones bekam den Spitznamen "deutscher Panzer", denn sie krempelte das Schilf wirklich von vorne nach hinten um - einfach mittendurch - nur anhand der Bewegung der Schilfspitzen war sie zu lokalisieren. Brina und Missy hingegen versuchten sich an den Schwänen auf der Theiss, die vor ihnen langsam davon schwammen. Es tat einfach mal gut, keinen konzentrierten Suchengang führen zu müssen, sondern einfach mal die Hunde machen zu lassen.

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Am 6. und letzten Tag machten wir eine Begegnung der besonderen Art: wir trafen auf die ungarische Pest! Aber von vorne: Missy und Milan .. unser Dreamteam, hatten einen schönen Suchengang auf einer vielversprechenden Fläche, die wir vorher nur einmal mit Bones abgesucht hatten. Die Fasane waren am laufen und den Hunden fiel es schwer diese festzumachen. Schließlich kamen sie am äußeren Rand der Fläche zum kurzen Vorstehen, bevor die Fasane schließlich doch hochgingen und abstrichen. Eine Situation wie immer. Auf dem Rückweg zum Auto bemerkten wir jedoch, dass die Hunde mit Kletten übersäät waren. Das waren jedoch nicht irgendwelche, weichen deutschen Kletten, sondern fiese spitze Dinger, die sich fest in das Fell der Setter eingefräst hatten und auch durchaus zu Verletzungen auf der Haut geführt hatten. Die äußerst stacheligen Diger ließen sich nur mit viel Geduld aus dem Fell entfernen. Zu Viert haben wir vielleicht 40min gebraucht. Zsolt kannte diese Dinger und war vorsorglich mit Arbeitshandschuhen und einem Kamm bewaffnet.

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Auch die schönste Zeit geht einmal zu Ende und der Tag unserer Abreise war gekommen. Gerade die jungen Hunde haben viel von dem Training mitgenommen. Bones hat gelernt Wild durch Suche und Nase zu finden - auch beim Vorstehen hat sie Fortschritte gemacht. Unser Ausbildungshund hatte die Möglichkeit viel an Fasane zu kommen und ist ein bisschen wacher geworden. Milan war als Routiné mit dabei und ich habe die Gänge mit ihm genossen. Auch Linda & Missy haben viel für sich mitgenommen und "Blut geleckt". Bevor wir uns auf unsere elendig lange Heimreise gemacht haben, konnten wir die Hunde nocheinmal frei über die weiten Flächen brettern lassen .. ein unbeschreibliches Gefühl ..

Ich hoffe dass bis zum nächsten Mal Ungarn nicht noch einmal 5 Jahre vergehen müssen.