.. oder unsere 1. große Entenjagd mit Sancho

30. September 2007

Vor ein paar Wochen gab es ein kleines Schlüsselerlebnis welches Sanchos Entenjagdpassion bereits ankündigte: Nachdem wir mit den Hunden bei warmen Wetter unterwegs waren, wollten wir sie einfach noch mal sich im Dorfteich abkühlen lassen. Dort schwammen wie gewohnt ein paar Enten herum die allerdings alsbald den Teich verließen um woanders zu gründeln .. alle außer eine, welche nicht fliegen konnte. Die Hunde schwammen hinter dieser Ente hinterher und diese ließ die Hunde bis auf 10cm (!) an sich heran um dann vor ihnen weg über das Wasser laufend zu flattern. Während Jens die Lust an dieser Verfolgungsjagd ziemlich bald verließ und er lieber die Dummys aus dem Wasser apportierte, blieb Sancho unablässig an dieser kranken Ente dran. Recht hatte er: instinktiv wusste er dass diese Ente krank ist und um jeden Preis wollte er sie kriegen. Was an der Sache natürlich nicht so toll war: er ließ sich hinter dieser Ente nicht abrufen und die vor ihm mit dem Kommando „Apport“ geworfenen Dummys bestärkten ihn nur in dem Glauben er müsse die Ente kriegen und bringen. Letztendlich blieb Sancho sage und schreibe 1,5 Stunden an dieser Ente dran bevor ihn jemand von uns nur durch einen gekonnten Hechtsprung aus dem Wasser ziehen konnte.

Dieses Ereignis erfreute zwar des Jägers Herz – blieb der Hund doch unablässig an der verletzten Ente dran – bereitete doch aber eher Sorgen in Bezug auf die kommenden Entenjagden denn der Hund hat sich ja im Wasser nicht abrufen lassen. So standen wir der Einladung als Hundeführer zu einer größeren Entenjagd mit gemischten Gefühlen gegenüber. Gestern war es so weit: wir fuhren mit Sack & Pack und vor allem den 3 Hunden zu dieser Entenjagd. Als Schützen eingeladen waren illustre Gäste .. von Old-English-Tweed bis BW-Ausrüstung war alles zu finden. Auf dem Gehöft fand man sich zunächst bei Kaffee, Brötchen und Würstchen zusammen – insgesamt 17 Schützen, 5 Hundeführer und letztendlich 10 arbeitende Hunde (Drahthaar, Labrador, Münsterländer, Deutsch Kurzhaar, Pointer und Englisch Setter). Das Wetter war eher mies: regnerisch & trüb – hielt aber niemanden von der bevorstehenden Jagd ab.

ej 05
Nach der Belehrung und Einweisung ging es los zum 1. Treiben. Ganz feudal und stilecht wurden die Schützen mit einem Pferdegespann zu ihren Ständen gefahren – die Hundeführer nahmen etwas zeitverzögert ihre Plätze ein. Wir bekamen einen sehr übersichtlichen, wenig beschilften Platz auf dem Damm zwischen 2 Teichen und hatten zunächst nur für 3 Schützen zu sorgen. Die Teiche waren mit reichlich Wasserwild bestückt (siehe Foto bevor die Jagd begann) und sobald das Signal ertönte vielen auch schon die ersten Schüsse – ein wahres Feuerwerk begann.

Sancho wusste zunächst nicht so recht was er dort tun sollte, aber sobald er die 1. Ente aus dem Schilf geborgen hatte, war der Knoten geplatzt. Ja und dann passierte etwas mit was ich auf einer Entenjagd so gar nicht gerechnet hatte: ein Rehbock schwamm über den Teich vor uns .. und weil das Bild eh so unwirklich erschien, sah ich wie mein Hund ca. 10-20m hinter diesem Bock hinterher schwamm – 300m über die offene Wasserfläche bis zum anderen Ufer. Natürlich ließ er sich nicht hinter dem Reh abpfeifen. Na toll! Damit hatten wir einen mehr als peinlichen Einstieg in unsere Hundearbeit gezeigt! Aber ein beherzter Hundeführer am anderen Ufer konnte Sancho vom Reh abbringen. Da dort am anderen Ufer schon geborgene Enten lagen, nahm Sancho eine dieser Enten auf mit dem Vorhaben diese zurück über den Teich zu uns zu bringen .. auch von diesem Vorhaben musste man ihn am anderen Ufer schließlich abbringen und Sancho schwamm schließlich die Strecke wieder zu uns zurück. Damit war dann auch genug der Peinlichkeiten. Der Hundeobmann meinte schließlich zu uns, dass der Hund ja schließlich nur Passion gezeigt hatte und wir uns dafür nicht schämen sollten. Sancho apportierte dann noch 2 weitere Enten aus dem Wasser – mehr Arbeit gab es im 1. Treiben auch nicht für unsere Hunde.

ej 06
Weiter ging es schließlich zum 2. Treiben. Dort war unsere Aufgabe schließlich etwas schwieriger gelagert: auf einem Damm zwischen 2 sehr beschilften Teichen sollte Sancho nach Enten stöbern. Für uns Hundeführer war es schon eine arge Plackerei uns auf dem „Weg“ (wenn da einer zu erkennen war!) des Dammes hindurch zu kämpfen. Sancho aber war in seinem Element: während Jens und der Pointer nur auf dem „Weg“ spazieren gingen, krempelte er als einziger Hund das Schilf auf Links.

Er war nur selten zu sehen, ab und zu hörte man wie er sich schnaufend durchs Schilf kämpfte und ein paar Mal kam er schließlich mit einer apportierten Ente bei mir an um dann gleich wieder weiter zu suchen. Nach diesem 2. Treiben gab es eine Pause mit Kaffee, Kuchen und belegten Brötchen in einer Hütte mit Kaminfeuer. Diese Pause hatte auch Sancho sehr nötig, denn in dem Schilf hatte er sich richtig verausgabt.

Nach der Pause ging es zum 3. Treiben. Da Sancho so gut stöberte, bekamen wir einen Platz mit großer Schilffläche vor uns zugewiesen. Da Jens zum stöbern im Schilf so schlecht zu bewegen war, bekam er einen „Apportierplatz“ direkt bei den Schützen. Sancho schickte ich 3x ins Schilf zum stöbern – er machte sicher einen großen Teil der dort liegenden Enten locker und brachte doch tatsächlich noch eine beschossene Ente aus dem Schilf heraus. Da dieses Treiben nicht so sehr ergiebig war, ging man doch schnell an den nächsten Teich zum schließlich letzten Treiben des Tages über.

ej 04 ej 02b

Für uns war es schließlich das ergiebigste Treiben des Tages, wo Sancho sein ganzes Können ausleben und zeigen konnte. Während Jens wieder am anderen Ufer arbeiten sollte, war ich mit Sancho schließlich für das gesamte andere Ufer mit 5 Schützen zuständig. Wieder haben wir auf einem Damm zwischen 2 Teichen gearbeitet und Sancho war nur dabei die Enten aufzustöbern und zu apportieren:

Variante 1: er läuft am Schilf entlang, stoppt, steht vor, holt sich noch einmal Wind, steht noch einmal vor, fasst ins Schilf hinein und bringt eine Ente heraus

Variante 2: er schwimmt in einen gegenüberliegenden Schilfgürtel, lässt sich rüber zu einer benommenen, kranken Ente einweisen, versucht diese zu greifen – die Ente taucht mehrmals vor ihm ab – und schließlich bekommt er sie fast tauchend zu fassen und apportiert

Variante 3: ich schicke ihn „Such voran“, er läuft in eine Richtung bzw. an Stellen wo ich keine Ente mehr vermuten würde, er geht ins Schilf, sucht, findet und kommt mit der geflügelten Ente an

Variante 4: eigentlich denke ich dass wir alle Enten haben, aber Sancho zieht noch einmal los – ich lasse ihn – er sucht, stöbert, ich höre es schnaufen im Schilf, Minuten vergehen – plötzlich flieht vor ihm über das offene Wasser eine verletzte Ente davon ins nächste Schilf, er schwimmt hinterher, folgt ihr ich höre ihn arbeiten im Schilf & Dickicht, wieder vergehen die Minuten, dann kommt er näher und fietscht leise weil er wohl nicht schafft zu mir durch das Dickicht durchzudringen – ich sage noch zum Hundeobmann: „Ich glaube er kommt leer“, da taucht er aus dem Schilf heraus mit der Ente im Fang ..

Es gibt noch mehr Varianten – schließlich ist der Berg der apportierten Enten bei den Schützen gewachsen.

„Ein Ausnahmehund .. eines der wenigen Hunde die den Punkt machen“ meint der Hundeobmann, der ihn arbeiten gesehen hat und in dessen Familie schon über Generationen Hunde geführt wurden – selbst ist er ein alter „Haudegen“ der schon viele Hunde geführt hat. Stolz bin ich auf meinen Hund!

ej 01b  ej 03