Wichtig ist, dass die Stange leicht zu handhaben ist – nicht zu schwer und belastbar – am besten eignen sich Teleskopangelruten, aber ein einfacher Haselstock tut’s für den Anfang auch. Auch die Schnur muss in gewisser Weise belastbar sein und nicht zu dünn um das Verletzungsrisiko zu mindern. Eins noch: bitte die Reizangel nur bei den Hunden einsetzen die körperlich gesund sind.

Wozu dient eine Reizangel? Das ist eigentlich ganz einfach: über die Reizangel kann der Hundeführer das Reizding in Bewegung bringen und damit fliehende Beute simulieren. Der Hund wird über seinen Beutetrieb angeregt das Reizding zu fassen – er wird beginnen das Reizding zu verfolgen. Nah am Hundeführer (der sich aus dem Radius der Reizangel +Schnur ergibt) kann der Hund also in eine hohe Reizlage des Beutetriebes versetzt werden.

Hat man diesen Punkt also erreicht, dass der Hund sich in eine hohe Reizlage versetzen lässt und das Reizobjekt verfolgt, hat der Hundeführer schon mal ein Instrument in der Hand, mit dem er seinen Hund körperlich effektiv auslasten kann. An dieser Stelle fragen sich vielleicht einige nichtjagende Jagdhundeführer: „Fördere ich mit der Reizangel nicht den Jagdtrieb, den ich ja eigentlich täglich unter Kontrolle haben muss?“ – Jaein, denn wer mittels Reizangeltraining versucht den Gehorsam unter hoher Reizlage zu festigen, befindet sich nicht auf dem falschen Weg. Wer sich allerdings damit zufrieden gibt, dass er seinen Hund über die Reizangel richtig auspowern kann, vergeudet ein wertvolles Erziehungsinstrument!

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Den Hund reizen

Es gibt Hunde die sich sofort zum verfolgen & fassen des Reizobjektes reizen lassen – ja welche die sich dabei völlig vergessen und ausflippen. Gut so, mit diesen Hunden kann man über das Reizangeltraining viel erreichen. Schwieriger wird es bei Hunden, die sich so gar nicht reizen lassen wollen. Hunde denen es in gewisser Weise an diesem Beutetrieb mangelt oder Hunde die schon gejagt haben und den Schwindel schnell durchschauen. Bei letzteren Hunden muss ich zugeben, dass man in Sachen Gehorsam festigen oder gar Vorstehen fördern weniger erreichen wird, da diese bei geringer Einwirkung und Forderung von Gehorsam lieber einen Rückzieher machen werden. Die hohe Reizlage ist also das Mittel mit welchem man viel erreichen kann.

Trotzdem kann man versuchen einen Hund dazu zu bringen sich reizen zu lassen um das Reizobjekt doch zu verfolgen. Hier ist ein wenig Vorarbeit nötig. Was kann man also tun um die Reizangelarbeit trotzdem interessant für den Hund zu machen?

1. man wählt das Reizobjekt des größten Interesses für den Hund – z.B. ein Stückchen Fell oder ein Futterbeutel, den man zusätzlich mit Flatterbändern ausrüstet

2. man beginnt an einem Ort wo so gut wie keine andere Ablenkung für den Hund besteht – erst wenn der Hund sich in eine hohe Reizlage bringen lässt, steigert man langsam die Ablenkung

3. die Trainingseinheiten sehr kurz fassen, immer dann enden wenn das Interesse des Hundes am Spiel am größten ist

4. den Hund anfangs schnell zum Beuteerfolg kommen lassen, und NICHT den Hund endlos hinter der Beute erfolglos hinterher rennen lassen

5. vielleicht sollte man anfangs die Reizangel ganz weg lassen und damit beginnen dem Hund das Spielen mit der Beute beizubringen – erst wenn der Hund das Spiel „Beute machen – Beute tauschen“ mit dem Hundeführer verstanden hat kann man langsam beginnen die Beute erst an eine Schnur und dann an eine Reizangel zu hängen

Zu Punkt 3 noch ein paar Worte: ein solches Spiel um Beute mit dem Hund will gelernt sein. Auch hier ist ein schrittchenweiser Aufbau nötig. Man sucht sich also ein(!) Objekt aus, welches man als Beute auch später an der Reizangel nutzen möchte. Dieses Beuteobjekt hat der Hund nie zur freien Verfügung, sondern nur im Spiel mit seinem Hundeführer zusammen. Man sucht sich einen Raum aus, an dem so gut wie keine Ablenkung für den Hund besteht. Man wählt eine Zeit, an dem der Hund sowieso etwas aufgeweckter und interessiert ist. Man begibt sich auf die Ebene des Hundes – also auf den Boden.

Anfangs ist es vielleicht sinnvoll, dass nur der Hundeführer mit der Beute spielt, interessante Geräusche macht, Freude daran zeigt und den Hund dabei zuschauen lässt. Ja richtig gelesen: den Hund zuschauen lassen – Hunde lernen durch zuschauen. Der Hund muss erkennen, dass seinem Hundeführer diese Beute echt wichtig ist. Nach kurzer Dauer (vielleicht 2-3min) legt der Hundeführer das Beuteobjekt an einem für den Hund unerreichbaren Ort und beschäftigt sich nicht weiter damit und mit dem Hund. Diese Szene wiederholt man ein paar Mal. Der Hund wird ein gesteigertes Interesse für das Beuteobjekt und das Spiel mit dem Hundeführer entwickeln. An dieser Stelle kann man anfangen den Hund in das Spiel mit einzubeziehen – mit Zerrspielen, mit Verfolgungsspielen usw. Wichtig: die Spieleinheiten sehr kurz fassen, immer dann enden wenn das Interesse des Hundes am Spiel am größten ist. Das Spiel sollte sich dahin entwickeln dass sich folgende Sequenz entwickelt: Beute „flieht“ – Hund verfolgt Beute – Hund nimmt Beute in Besitz – Hund tauscht Beute z.B. gegen Leckerli oder erneutes Spiel – usw. Hat der Hund dieses Spiel verstanden und ist mit hoher Motivation dabei, kann man beginnen die Beute erst an die Schnur (wenn man das nicht schon vorher getan hat um das Tauschgeschäft durchzusetzen) und dann an die gesamte Reizangel zu befestigen. Erst dann kann man damit beginnen die Ablenkung langsam zu steigern.

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Das Tauschgeschäft beleben

Hunde mit hoher Reizlage brauchen nicht unbedingt den Beuteerfolg – sie müssen nicht unbedingt das Reizobjekt fangen müssen um weiter das Reizobjekt verfolgen zu wollen. Was aber wenn der Hund das Reizobjekt doch mal fängt? Oder was wenn der Hund nach erfolgloser Hetze so langsam die Lust am Reizangeltraining verliert? Es geht also um das Beute-in-Besitz nehmen und den weiteren Umgang damit.

Bei Hunden, die von sich aus das Reizobjekt nicht greifen, also in den Fang nehmen wollen, rate ich erst einmal das Tauschgeschäft beim Spielen (siehe oben) zu entwickeln. Funktioniert das auch nicht – entwickelt der Hund also keine Ambitionen von sich aus das Reizobjekt in den Fang zu nehmen – sollte man sich überlegen ob man an dieser Stelle überhaupt weiter macht. Es gäbe noch die Möglichkeit dem Hund zuvor das Apportieren über den Gehorsam beizubringen und dann erst wieder mit dem Reizangeltraining weiter zu machen, wenn das Kommando „Apport“ (oder „Bring“ o.ä.) dazu führt, dass der Hund das Reizobjekt greift und bringt.

Hat der Hund also die Beute greifen können sollte er dazu gebracht werden, die Beute zu bringen und zu tauschen. Der Vorteil der Reizangel ist, dass der Hund über das Reizangelding ja mit dem Hundeführer quasi verbunden ist – er kann und sollte also nicht mit der Beute abhauen. Hier ist aber immer Vorsicht geboten denn die physische Belastbarkeit einer Reizangelstange und –schnur ist bekanntlich begrenzt. Nun obliegt es dem Hundeführer dem Hund die Beute abzunehmen und z.B. gegen ein schmackhaftes Leckerli oder ein erneutes Spiel zu tauschen. Schöner ist es natürlich wenn der Hund schon vor der Reizangelarbeit das Tauschgeschäft verstanden hat.

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Den Gehorsam mit einbeziehen

Der Hund hat also eine große Lust die Beute zu verfolgen und lässt sich kaum von anderen Dingen dabei ablenken. Ich beginne damit ein Sitz, Platz oder Down (das Kommando kennen sie vorher schon) zu fordern bevor der Hund starten darf. Dabei liegt das Reizobjekt anfangs ruhig und bewegungslos am Boden – im späteren Aufbau der Übung darf der Hund auch nicht starten, wenn sich das Reizobjekt bereits bewegt. Der Hund darf erst starten, wenn ein Aufhebungskommando kommt – z.B. „Los!“. Der Hund darf auch immer erst dann los, wenn sie das geforderte Kommando ausgeführt hat. Bei Hunden mit hoher Reizbarkeit empfiehlt es sich anfangs zu zweit zu arbeiten – einer bedient die Reizangel, ein anderer setzt das Kommando am Hund um. Die Hunde verstehen dieses Spiel sehr schnell, da das Losstarten dürfen eine absolut begehrenswerte Belohnung für sie bedeutet.

Hier mal ein schon etwas älteres Video von einem der ersten Versuche mit DK Dido:



Nebenbei, außerhalb des Reizangeltrainings, erarbeite ich diese Kommandos aus der Bewegung heraus. Wenn diese soweit ohne Ablenkung und unverzüglich funktionieren, beginne ich damit diese auch an der Reizangel zu fordern. Je nachdem arbeite ich anfangs wieder zu zweit: einer bedient die Reizangel so, dass der Hund beim anderen vorbei rennen muss. Dann erfolgt das Kommando Sitz, Platz oder Down – die Reizangel ruht – und der Helfer bringt den Hund blitzschnell in das gewünschte Kommando. Das bedarf anfangs blitzschnelles Handeln aller Beteiligten und einer geschickten Führung der Reizangel. Hat der Hund das Kommando ausgeführt, darf er sofort auf Kommando das Reizobjekt auf Kommando „Los!“ verfolgen & greifen. Später kann dieses Gehorsamsspiel so weit gesteigert werden, dass sich nach dem ausgeführten Kommando das Reizangelobjekt trotzdem weiter bewegt.

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Das Vorstehen fördern

Es ist möglich bei Vorstehhunden das Vorstehen an der Reizangel zu fördern. Das funktioniert besonders gut im Welpenalter, bei älteren Hunden ist das weitaus schwieriger. Bei meinem „alten“ Sancho funktioniert das nicht. Er lässt sich nicht lange durch das jagen eines Flatterteils „verarschen“ – „es gibt wichtigeres zu jagen“ sagt er mir. Bei meinem Pflege-DK Jens (wir haben ihn mit 9 Monaten übernommen) ging das dann doch erstaunlich gut – dies hatte ein Grund: er hatte einen solchen Trieb, dass er eher tot umgefallen wäre, als dass er das Jagen dieses Flatterteils an der Reizangel aufgegeben hätte. Bei ihm habe ich genau das ausgenutzt: ich habe ihn ein paar wenige Male das Flatterteil so lange erfolglos hetzen lassen (d.h. er hat es nicht zu greifen bekommen), dass er am Ende aufgab und sich von mir zum vorstehen anleiten ließ. Es braucht also vom Hund aus zunächst einmal einen enormen Trieb / Willen das Flatterding haben / hetzen zu wollen – ohne das kommt man nicht weit.

Bei meinem IS-Welpen Chili war das einfacher. Sie haben wir ja bereits mit 8 Wochen übernehmen können. Mit 11 Wochen war sie bereits die ersten Male an der Reizangel. Chili hat sehr gute Vorstehanlagen, so dass sie dieses Verhalten von Anfang an gezeigt hatte – nun lag es an uns dies zu fördern (was wir zugegebener Maßen in letzter Zeit ein wenig versäumt haben).

Es gibt ein Video von Chili an der Reizangel, wo sie noch ein Welpen ist – ist aber erst im hinteren Teil des Videos eine Sequenz zu sehen:


 

Ansonsten kann ich eine solche Sequenz mal versuchen per Foto zu zeigen:

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bevor Chili loshetzen darf, soll sie erst einmal sitzen bleiben,

obwohl ich schon das Flatterding an der Reizangel bewege

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dann geht’s los auf mein Kommando

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und sie darf das Reizobjekt nach Herzenslust verfolgen

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zwischendrin rufe ich sie aus der Bewegung ins Platz

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als Belohnung für das befolgte Kommando darf sie auf mein Kommando gleich weiterhetzen

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dann kommt das Flatterding zum Liegen

hier fordere ich Chili auf, sich meinem Verhalten (dem gespannten Verharren) anzukoppeln

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hier zeigt sie das gewünschte Vorstehverhalten

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.. sie zieht langsam nach ..

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.. und nach ..

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und bevor sie einspringt gebe ich ihr das Sitz-Kommando

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und weil sie das so brav befolgt hat, darf sie zur Belohnung das Flatterding packen

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.. bringen & tauschen

Sehr anschaulich zeigt Anton Fichtelmeier das Vorstehen üben an der Reizangel auf seiner DVD „Der brauchbare Jagdhund im Feld“ - beschrieben hat er seine Art des Reizangeltrainings auch in dem von ihm in der „Wild und Hund“ veröffentlichten Artikel „Zur Ruhe reizen

Die Angst vorm Schwimmen überwinden


Es gibt Hunde die Angst vorm Wasser, bzw. vorm schwimmen im tiefen Wasser haben. Hier kann man die Reizangel dazu nutzen dem Hund die Angst davor über den Beutetrieb zu nehmen. Man bringt also den Hund am Ufer mittels Reizangel in einer hohe Reizlage und verlagert das Spiel mehr und mehr ins tiefe Wasser. Das funktioniert allerdings nicht bei allen Hunden. Außerdem möchte ich davor warnen: der Hund bemerkt zwar unter der hohen Reizlage zunächst nicht, dass er sich in das für ihn beängstigende tiefe Wasser begibt, aber er kann doch schnell in Panik verfallen sobald er begreift, dass er den Boden unter den Pfoten und somit die Kontrolle verloren hat – der Schuss kann als auch nach hinten losgehen. Auch könnte der Hund später Schwierigkeiten bekommen, wenn von ihm verlangt wird das Wasser ohne sichtbare Beute zu beschwimmen. Besser ist es, dem Hund ein „bewusstes“ Schwimmen ohne Beutereiz beizubringen.

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