Dummyarbeit fordert die natürlichen Anlagen des Hundes: er muss seine Nase benutzen, kreative Lösungen finden, er darf Beute machen und er teilt die Beute mit dem Hundeführer. Hund und Führer müssen zusammenarbeiten um zum Erfolg zu kommen. Außerdem lernt der Hund, dass er nur durch Gehorsam zum Erfolg kommt und lernt dementsprechend Freude am Gehorchen. Dies stärkt die Bindung zwischen Hund und Führer ungemein - und es macht beiden riesigen Spass! Die Dummyarbeit in all ihren Facetten eignet sich für den jagdlich geführten als auch für den nichtjagdlich geführten Jagdhund. Die Weichheit und Schwere eines Dummies simuliert den Wildkörper besser, als ein starrer Apportierbock und fördert somit das richtige und gehorsame Apportieren.

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Elemente & Varianten der Dummyarbeit

1. Markierapport

Bei einer Markierung sieht der Hund nach einem Schuss (oder ohne Geräusch) ein bis mehrere Dummies fliegen und prägt sich die Fallstelle im Gedächtnis fotographisch ein. Dabei kann entweder die ganze Flugbahn oder nur ein mehr oder wenig großer Teil davon für den Hund sichtbar sein. Der Hund soll sich nun die Fallstelle - auch über einen längeren Zeitraum hinweg - merken können, die Distanz richtig einschätzen und "markieren" oder sogar das Ende der Flugbahn „berechnen“. Auf einmaligen Befehl soll er auf möglichst direktem Weg zur Fallstelle laufen, das Stück aufnehmen und auf dem selben direkten Weg zum Hundführer zurückkommen. Für eine gute Markierarbeit ist es wichtig, das der Hund lernt, seine Augen zu benutzen und seiner Markierfähigkeit zu vertrauen zu lernen. Nichts ist schlimmer als ein Hund, der sich in diesem Fall immer auf seine Nase verlassen wird, als auch auf seine Augen. Bei der Enten- oder Niederweildjagd ist eine solche Markierfähigkeit ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn der Hund kann somit schnell und unverzüglich die Fallstelle aufsuchen um dort das evtl. nur verletzte Stück Wild ohne Zeitverzug aufzunehmen und zum Führer zu bringen, der dieses dann schnell erlösen kann. Den Retrieverrassen sagt man eine sehr gute, vererbte Markierfähigkeit zu - aber auch die mehr nasenorientierten Vorsteher können und sollten das Markieren lernen.

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2. Einweisen

Das ist wirklich die hohe Kunst der Ausbildung. Kurz und knapp kann man sagen, das der Führer weiss wo der Dummy oder eben das Stück Wild liegt, der Hund aber nicht und nur durch die Zusammenarbeit beider, kann das Stück "nach Hause" gebracht werden. Folgendes Beispiel kann man geben um eine Ahnung von dieser Arbeit zu bekommen: der Führer schickt seinen Hund etwa 80m gerade aus, dann stoppt er ihn mittels Sitzpfiff und schickt ihn von diesem Punkt noch einmal 30m nach links - dort bekommt der Hund das Such-Kommando, was so viel bedeutet wie "dort muss es ungefähr sein - setze jetzt deine Nase ein um es zu finden" - antürlich findet der Hund dort den Dummy oder das verlorene Stück Wild und bringt es dem Führer. Den Retrieverrassen fällt dieses Einweisen lassen zum Teil deutlich leichter als zum Beispiel einen stark nasenorientierten Vorstehhund. Dennoch kann auch ein Vorsteher das lernen und sollte es auch. Ich habe oft erlebt wie praktisch es ist, wenn man vom Ufer aus seinen Hund im Wasser zu einer verlorenen Ente schicken kann, wenn der Hund das Stück Wild zuvor weder eräugen noch wittern konnte. Es ist ein unverzichtbares Mittel um effektiv Wild, an für den Führer unzugänglichen Stellen, bergen zu können. Es braucht allerdings viel Training und einen schrittweisen Aufbau um dieses Vertrauen und die Zusammenarbeit zwischen Hund und Führer herzustellen. Als Beispiel zeige ich unten ein älteres Foto von Sancho und uns (1 Foto von links) , was zeigt wie schwer es ist einem stark nasenorientierten Hund ein solches Vertrauen beizubringen:

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3. Freiverlorensuche

Bei der Freiverlorensuche wird der Hund in ein bestimmtes Gebiet zum freien Suchen des Dummies oder Stück Wildes geschickt. Weder Führer noch Hund wissen den Ort wo der Dummy liegt. Systematisch sucht der Hund mit dem Führer unter Einsatz seiner Nase und unter Ausnutzung des Windes ein bestimmtes Gebiet ab. Mittel des Zweckes ist hier die sogenannte Quersuche, wobei der Hund im Zickzack dem Wind entgegen wendend ein bestimmtes Feld absucht. Diese Arbeit ist eher eine Spezialität der Vorsteher, da das in den Wind wenden und arbeiten mit hoher Nase ihnen genetisch in die Wiege gelegt ist - lediglich an der Systematik muss man feilen. Natürlich kann ein Retriever das auch erlernen. Der konzentrierte Einsatz der Nase um feinste Duftpartikel aus der Luft zu filtern, das hohe Tempo & die Ausdauer bei der Suche fordern einen Jagdhund ungemein.

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4. Schleppe

Auch die Schleppfährte kann als Element der Dummyarbeit gesehen werden. Wenn ein Stück Niederwild (z.B. Kaninchen) angeschossen wurde, soll der Jagdhund selbständigam "Anschuss" angesetzt, frei unangeleint die Fährte des Tieres ausarbeiten, das gefundene Tier aufnehmen und zurück zum Hundeführer apportieren. Für das Training wird ein totes Stück Schleppwild oder ein Dummy vom Fährtenleger an einer Schnur hinterher gezogen. Am Ende der Fährte wird dieses Schleppstück zum apportieren ausgelegt. Man kann das Einweisen auch mit einer Schleppfährte kombinieren, denn eine solche Kombination kann beim realen Jagdeinsatz durchaus vorkommen. Dazu weist man den Hund zum ungefähren Startpunkt der Fährte ("Anschuss") ein und lässt ihn ab dort seine Nase benutzen um die Fährte bis zum Stück oder Dummy auszuarbeiten.

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5. Steadiness

.. oder auch Standruhe genannt, gehört unverzichtbar zum Gehorsam eines Jagdhundes. Steadiness bedeutet, dass ein Hund beispielsweise nicht einspringt, selbständig losrast, ungeduldig an der Leine zieht oder gar bellt & jammert wenn es "ums Eingemachte" geht. Steadiness bedeutet, dass der Hund sich auch unter hoher Reizlage disziplinieren und zusammen nehmen muss, bedeutet dass er zumindest äußerlich ruhig wartet bis er dran ist. Manchen Hunden fällt dies von ihren Genen her einfacher als anderen Hunden. Steadiness ist aber auch eine Sache die ein junger Welpe schon von anfang an lernen sollte. Steadiness kann und sollte jeder Hund lernen. Im Jagdalltag ist die Standruhe natürlich unverzichtbar - ein bei der Entenjagd an der Leine ziehender & zappelnder Hund ist eine Gefahr für sich und seine Umwelt - wie soll der Jäger einen ruhigen & sicheren Schuss anbringen? Was nutzt ein quengelnder, quietschender & jaffelnder Hund einem Jäger, der beim Entenstrich im Halbdunkeln auf die vorsichtigen, anfliegenden Enten wartet?

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Aller Anfang muss gemacht werden

Viele Wege führen nach Rom - genauso viele Wege gibt es um einem Hund das Apportieren beizubringen. Ich selbst bevorzuge einen über die geförderte Bringfreude mit Zwang abgesicherten Apport, denn für die Jagd ist ein zuverlässiger Apport unverzichtbar. Hunde bei denen eine solche Zuverlässigkeit nicht unbedingt benötigt wird oder Hund die von sich aus gut & gerne apportieren müssen nicht über den Zwang abgerichtet werden - ein gewisses Muss bei der Arbeit ist allerdings immer notwendig um mit Spaß die Dummyarbeit weiter ausbauen zu können. Die Individualität von Hund & Führer bestimmt letztendlich die Balance zwischen einen über Spaß bzw. positiv und/oder über einen mittels Zwang aufgebauten Apport. Wobei ich Zwang an dieser Stelle grundsätzlich als nachdrückliche Beeinflussung der Entscheidungs- und Handlungsfreiheit durch verschiedene Einflüsse definiere. Die Stärke der Zwangseinwirkung bestimmen Hund und Ziel.

1. Futterdummy

Der Futterdummy ist eine mit Leckerlis befüllte, verschließbare kleine Tasche. Man kann spezielle Futterdummies im Handel erstehen oder eine kleine Federrollmappe erstehen und zu diesem Zweck missbrauchen. Diese mit Futter befüllte kleine Tasche bedeutet "Beute" für einen Hund, der mit normalen Dummies erst einmal nix anfangen kann. Futter ist für einen Hund überlebenswichtig. Es gibt verfressene Hunde, die einem die Arbeit mit dem Futterbeutel leicht machen. Aber auch wenig verfressene Hunde können den Futterdummy als wichtig für sie erkennen, wenn der Hundeführer die gesamte Fütterung des Hundes auf die ausschließiche Fütterung über den Futterdummy umstellt. Und los geht's:

  1. Lege Deinen Hund an die Schleppleine
  2. Du packst den Dummy aus (es ist besser wenn Du ihn in einer Tasche hast um am Ende die Sache wieder zu beenden) und zeigst ihn deinem Hund zum beschnüffeln
  3. öffne den Dummy und lass Deinen Hund kurz daraus fressen (er soll nur ein-zwei Leckerlis daraus bekommen)
  4. schließe den Dummy, und werfe ihn nicht allzu weit weg und feuere deinen Hund dazu an den Dummy zu holen (instinktiv wird er ihn zumindest greifen) *
  5. Rufe ihn samt Dummy heran (mach Dich klein und laufe dabei rückwärts) unterstütze ihn leicht mit der Schleppleine und feuere ihn so richtig an
  6. sobald er bei Dir ist, nimmst Du ihn den Dummy aus dem Fang "Aus" + loben! und lässt ihn sofort daraus wieder ein paar Leckerlis fressen
nun beginnst du wieder bei 4. *)

zu 4.: Man spricht durch das Wegwerfen und den starken Futtergeruch ganz stark den Beutertieb des Hundes an. Vielleicht muss man den Dummy auch erst an eine Leine nehmen und ihn über den Boden "zappeln" lassen und quietschende Geräusche von sich geben, damit der Hund dies als Beute verknüpft. Ich würde bei den ersten Malen diese Prozedur am Stück nicht öfters als 4 Mal wiederholen - damit der Hund richtig heiß darauf wird. Du beendest das Spiel wenn er am heißesten darauf ist indem Du den Dummy einfach wieder in Deine Tasche steckst und ihn losschickst. Zunehmend baut man in das Spiel Gehorsam ein: bevor er fressen darf muss er absitzen oder man lässt ihn absitzen während man den Dummy versteckt. Erst wenn er zuverlässig und unverzüglich den Dummy zurückbringt kann man die Schleppleine abbauen. Wenn das alles gut klappt, kann man beginnen den Hund auf einen richtigen Dummy (250g) umzupoolen. Am besten reibt man den Dummy am Anfang mit etwas Fleischwurst, Käse, Leberwurst o.ä. ein - der Geruch verschwindet dann im Laufe der Zeit von allein. Aber wenn der Hund den Dummy gebracht hat, gibt es immer noch die Superleckerlis. Ganz wichtig: der große Funfaktor!

Auch die Abeit mit dem Futterbeutel kann man ganz kreativ ausbauen. Vom sichtbar geworfenen Futterdummy, über die gezogene Schleppfährte bis hin zum in Sträuchern oder im hohen Gras versteckten Futterdummy. Um die Reizlage noch mehr anzusprechen kann man den Futterdummy mit Flatterbändern versehen und / oder ihn an eine Reizangel zum zappeln bringen. Die Variationsmöglichkeiten lassen sich mit der Verwendung mehrerer Futterdummies noch weiter ausbauen. - der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

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2. Den Apport clickern

Das Clickertraining bietet eine schöne Möglichkeit, dem Hund das Apportieren über die Lernfreude schmackhaft zu machen. Wichtig ist, dass man die Grundlagen des Clickertrainings verstanden hat - wenn ich das jetzt alles aufschreiben würde, komme ich nie zu Potte, deshalb lege ich jedem ans Herz sich mindestens die Internetseiten: www.clicker.de und www.spass-mit-hund.de GENAU DURCHZULESEN!!! Um Erfolg über diese Methode zu haben, muss man das Prinzip genau vestanden haben!
Hier die Grundschritte:

Apportieren ist eine Verhaltenskette. Es besteht aus vielen kleinen Einzelbausteinen. Und das ist auch schon das "Geheimnis" des Trainings. Jede komplexe Übungseinheit wird handhabbar, wenn man die "große" Übung in viele kleine Einzelbausteine herunter bricht und diese separat trainiert. Und das sind die Bausteine für das Apportieren:

  1. Das Objekt anschauen
  2. Kopf in Richtung des Objektes drehen
  3. In Richtung des Objektes gehen
  4. Das Objekt (irgendwie) berühren
  5. Das Objekt mit der Schnauze berühren
  6. Die Schnauze öffnen und das Objekt berühren
  7. Das Objekt mit den Zähnen berühren
  8. Die Schnauze um das Objekt schließen
  9. Das Objekt in der Schnauze behalten
  10. Den Kopf zum Menschen drehen, während das Objekt in der Schnauze ist
  11. Sich zum Menschen bewegen, während das Objekt gehalten wird
  12. Das Objekt in die Hand legen
Gestartet wird dabei mit dem Objekt in der Hand. Sie bestärken den Hund für jeden der obigen Schritte. Click & Belohnung (C & B) also für den ersten Blick auf das Objekt, für das erste Kopfdrehen zum Objekt, für die allererste Berührung usw. Wenn Ihr Hund dann irgendwann alle Schritte durchlaufen hat, ist er so weit, dass er das Objekt aus der Hand nimmt und dann wieder in die Hand legt. Erst, wenn das klappt, wird die Distanz zwischen Objekt und Hand allmählich vergrößert, das Objekt also aus der Hand auf den Boden gelegt. Dabei kann zunächst die Hand noch unter bzw. dann neben dem Objekt auf dem Boden liegen bleiben und wird erst allmählich Stück für Stück zurück gezogen. Erst, wenn der Hund das Apportieren zuverlässig zeigt, wird ein Signal, zum Beispiel "Apport" eingeführt.

3. Zwangsapport

In diesem Bereich gibt es wirklich viele Varianten - über den Einsatz eines Stachelhalsbandes, dem Einsatz von Ohrenkneifen oder auf die Pfoten treten ja sogar bis hin zum Einsatz eines Stromhalbandes - wobei letzteres in Deutschland begründeter Weise verboten ist. Wer über diese Methodiken mehr erfahren möchte, sollte sich die Bücher "Der Jagdgebrauchshund" von Carl Tabel oder "Hundeausbildung für die Jagd" von Manfred und Maria Baatz durchlesen UND sie sich, wenn Bedarf besteht, von einem erfahrenen Jagdhundeausbilder zeigen lassen. Für die richtige Dosierung dieser Starkzwangmittel braucht es nicht die Bereitschaft zum Einsatz brachialer Gewalt, sondern vielmehr das richtige Fingerspitzen- und Feingefühl für die Individualität des Hundes und das richtige Timing. Es gibt aber auch moderatere Formen des Zwangsapportes - ich persönlich zähle sie zum Zwangsapport, weil die Methoden das Ziel des Bringen-Müssens gemeinsam haben. Ein sehr schönes, älteres Jagdhundeausbildungsbuch beschreibt eine solche Methode: "Hundeabrichtung durch wahre Verständigung zwischen Mensch und Hund" von Franz Granderath.

Beispielhaft möchte ich folgende Methode von Olaf D. kurz zitieren: "Ich fange grundsätzlich mit einem alten Stofftier oder der Papprolle vom Klopapier an, der Hund ist an der (Umhänge)Leine im Sitz vor mir und bekommt dann das Ding direkt an die Lippen, aber ohne Druck und mit dem Kommando „Apport“ - nimmt er es gibt es dicke Futterbrocken, ein super Lob ( die wenigsten Hundeleute können richtige und echte Freude mit ihrem Hund empfinden, wenn der Hund was toll macht) - nimmt er es nicht hab ich ja beide Hände frei und kann den Fang vorsichtig damit öffnen, indem ich beiden Daumen sachte von vorne langsam in den Fang schiebe. Ist der Fang geöffnet bekommt er das Apportel für Sekunden in den Fang und dann wieder ausgeben lassen. Dann geht es eben weiter: der Hund im Sitz und das Apportel ein stück vom Fang weg und Kommando - nehmen halten, ausgeben usw. Der nächste Schritt ist dann die halbe Höhe und wieder wie gehabt. Dann kommt das Apportel auf den Boden und der Hund soll da aufnehmen, immer noch an der Leine und immer noch aus dem Sitz. usw. Dann Apportel auf den Boden legen, mit Hund an der Leine am Apportel vorbei und auf Kommando aufnehmen, ein Schritt rückwärts, was den Hund dazu bringt vor mich zu kommen, sitz gib aus.. usw. Dann Apportel auf den Boden, Hund an der Leine und ohne Kommando aufnehmen.. usw. Und wenn das alles klappt, dann wechsele ich die Apportel: sie werden größer schwerer und auch unterschiedlich. Bei täglichem Üben sind das dann schon 14 Tage bis drei Wochen und der Hund nimmt alles ( vom rohen Ei, über volle Bierflasche bis zum Ledersack). Danach brach ich nochmal 14 Tage bis 3 Wochen für die Schleppen ( immer mit Apportel) bis 5 kg. Dann klappt es in der Regel mit dem Apport. Wildschleppen und Apport sind dann bis in den Herbst zu den Prüfungen nur einmal die Woche nötig."

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4. Über Bringfreude

Die Grenzen zwischen einem moderat aufgebauten Zwangsapport und einem über die Bringfreude aufgebauten Apport können fließend sein - letzendlich führen sollten sie zum Bringen-Müssen führen. Bei dem über die Bringfreude aufgebauten Apport mache ich mir den natürlichen Trieb eines Hundes, sich Beute aneignen zu wollen, zu nutze. Ich fördere also schön im frühen Welpenalter das Interesse für Beute und versuche den Welpen über Motivation und einem hohen Einsatz an Körpersprachen die Beute zu greifen, zu mir zu bringen und zu tauschen. Das Vorgehen kanndem des beim Futterdummy beschrieben Vorgehens (siehe oben) ähneln. Erwähnenswerte Jagdhundeliteratur ist beispielsweise "Vom Welpen zum Jagdhelfer" von Hans-Jürgen Markmann oder die DVD's von Anton Fichtelmeier. In der Retrieveszene ist ein solch aufgebauter Apport sehr verbreitet, weswegen man dort einige Literatur zu diesem Thema findet: "Die 3 Apporte" von Antonisse Zijda oder "Die Kosmos Retrieverschule" von Norma Zvolsky seien hier als empfehlenswerte Literatur erwähnt.

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Probleme beim Apport

Wie man anfängt habe ich ja schon zu Anfang beschrieben (Futterdummy, Zwangsapport, Clickertraining, Bringfreude). Der Apport beinhaltet letztendlich eine Menge, zusammengefügter Teilhandlungen - es ist ein komplexes Kommando aus suchen, finden, aufnehmen, zurücktragen, halten, sitzen und erst auf Kommando ausgeben. Erst wenn der Hund dies beherrscht macht es wirklich Spaß und man kann sich im Training auf andere Dinge konzentrieren. Allerdings gibt es in diesem Bereich auch die meisten Probleme: der Hund spuckt den Dummy vor die Füße, er hält ihn nicht lange, er nimmt ihn nicht richtig mittig, er kommt mit dem Dummy nicht auf direktem Weg zurück usw. Wie immer gibt es für solche Probleme keine Patentrezepte, wir haben es schließlich mit Individuen - unserem Hund, wie er leibt und lebt, und unser selbst - zu tun. Deshalb trage ich hier für einige Probleme mal ein paar Lösungsvorschläge zusammen, die sicher noch von ergänzt werden können. Die Probleme variieren auch in Abhängigkeit von der Methode, wie man das Training angefangen hat (Futterdummy, Zwangsapport, Clickertraining, Bringfreude) und wie schnell man mit welchen Schritten darin weiter übt (Trainingsaufbau). Im Endeffekt kennt jeder seinen eigenen Hund am besten und muss sich schließlich selbst analysieren, wo das Problem liegen könnte und wie man es behebt.

Der Hund mag den Dummy nicht holen bzw. interessiert sich mehr für andere Dinge

a) Dafür kann es mehrere Ursachen geben: das Interesse des Hundes wurde noch nicht richtig geweckt, der Hund ist im „Gehorsamsapport“ noch nicht richtig durchtrainiert, man hat den Hund zuvor zu hart und im falschen Moment bei der Dummyarbeit bestraft oder der Hund hat den Dummy nicht (fallen) gesehen und weiß nicht, was man von ihm will.

b) Das Interesse wecken. Im Prinzip habe ich am Anfang v.a. beim Futterdummy was dazu gesagt. Der Beutetrieb muss im Hund geweckt werden, damit er dazu animiert wird das Dummy zu nehmen. Einen Tag vor dem Dummytraining bekommt der Hund keine Mahlzeit - Hunger ist der beste Antrieb für das Beutemachen - ein Tipp der „erfahrenen Rüdemänner“. Dann kann man den Beutetrieb und Greifreflex dadurch wecken indem man den Dummy an eine Schnur bindet und quietschend (die Geräusche macht man selbst) über den Boden zappeln lässt oder indem man ihn an eine Reizangel (=längerer Stock mit Schnur dran wie Angel) hängt und ihn dann über den Boden zappeln lässt. Wenn draußen andere Dinge mehr ziehen, sollte man diese Übungen in eine reizarme Gegend verlegen und den Hund an die Schleppleine nehmen. Diese Übungen macht man anfangs nur kurz, dann beendet man wortlos (am besten wenn es gerade am schönsten war) die Übung und steckt den Dummy wieder ein - es soll ja was ganz Besonderes für den Hund sein. Dieses Prinzip arbeitet eher „vom wollen zum müssen.“

c) „Vom müssen zum wollen“ - Wer den Weg des Gehorsamsapports beschreitet, wird beim richtigen Trainingsaufbau und dem nicht zu schnellen Vorangehen bei den einzelnen Trainingsschritten wohl kaum zu diesem Problem kommen. Apport bedeutet Gehorsam - der Hund lernt von Anfang an, dass er daran nicht vorbeikommt. Bei dem Schritt des Apportierens aus Entfernung kann der Grund für die Verweigerung des Apportes sein, dass der Hund eben noch nicht richtig durchtrainiert war. Man verkürzt die Entfernung, vermindert die Ablenkung, legt den Hund an die Schleppleine bzw. geht ein paar Trainingsschritte zurück.

d) Ein spezielles Problem in diesem Fall könnte eine zu harte Strafe oder eine Schrecksituation im falschen Moment gewesen sein. Angst ist kein guter Lehrmeister! Wenn der Hund wegen schlechter Erfahrungen aus Angst den Apport verweigert, hat man ein echtes Problem. Im Fangbereich ist der Hund sehr sensibel, weshalb der Apport, gerade der „Gehorsamsapport“ sensibel durchgeführt werden muss. Ein zu hartes Wort oder gar Schläge können bis dahin Gelerntes völlig zunichte machen - jeder Hundeführer sollte sich unter Kontrolle haben. Manchmal hat man es aber auch nicht unter Kontrolle, wenn es aus höherer Gewalt zu einem Schreckmoment kommt. Die Lösungen dafür sind nicht wirklich einfach und kommen auf den Hund an: am besten tauscht man Apportiergegenstand, das Kommando, vielleicht Kleidung des Hundeführers, und fängt in ruhiger und anderer Umgebung wieder neu an. Von nun an soll der Hund damit positive Erfahrungen verknüpfen.

Der Hund spuckt den Dummy schon vorher wieder aus oder vor die Füße

a) Der Hund hat das Festhalten des Dummies noch nicht richtig gelernt. Man könnte mit dem Kommando „Halten / Fest / Festhalten“ (man muss allerdings nicht unbedingt ein neues Kommando einführen) das längere Festhalten des Dummies ganz speziell trainieren. Am besten übt man das 3xtäglich in kleinen Übungseinheiten zunächst zu Hause, an der Leine und ohne Ablenkung. Man gibt dem Hund beim Kommando „Apport“ das Dummy sanft in den Fang, sagt mit heller, lobender Stimme „Halten / Fest / Festhalten“ (oder lobt ihn einfach) wenn er ruhig hält (nicht wenn er knautscht!!) und gibt dann sofort Kommando „Aus“ - möglichst bevor es der Hund selbst tut - da sollte man gut beobachten können und blitzschnell sein. Unterstützen kann man das Halten auch in dem man leicht den Fang von unten hält bzw. streichelt - kommt ganz auf den Hund an. Die Zeiten des Haltens werden dann langsam gesteigert (immer mal wieder nur ganz kurz, dann länger usw.). In dieser Trainingszeit ist es besser wenn man das Dummytraining (und vielleicht auch Ball- und Stöckchenwerfen?) draußen zunächst lässt, damit sich das Problem des Ausspuckens nicht noch zusätzlich verstärkt. Das Prinzip ist eigentlich auch schon oben von OlafD unter „Gehorsamsapport“ behandelt worden. Genau so gut kann man das „Halten“ mit dem Clickertraining verstärkt trainieren.

b) Oft kann dies auch ein Problem der eigenen Körperhaltung und des Timings sein: statt sich aufrecht, breitbeinig mit ausgestreckten Armen dem Hund entgegen aufzubauen, sollte man sich eher klein machen, den Körper vom Hund weg halten.

c) Auch sollte man den Fehler nicht machen, dass man sofort in die Tasche greift das Leckerli zu nehmen, wenn der Hund mit dem Dummy zurückkommt - denn dann lässt der Hund das Dummy sofort fallen oder spuckt es vor die Füße.

d) Besser noch man rennt wie beim Staffellauf bei der Staffelstabübergabe mit dem Rücken zugewendet vor dem Hund weg, hält dann blitzschnell die Hand an den Dummy und sagt „Aus“ bevor es der Hund von selbst tut. Dies steigert man dann Stück für Stück. Später lässt man den Hund ruhig erst z.B. „Bei Fuß“ den Dummy tragen lassen, bevor man ihn sich in die Hand ausgeben lässt. Erst wenn das Halten beim Gehen soweit klappt, kann man beginnen das Vorsitzen zu trainieren - vorher nicht.

e) Das Tragen und Halten sollte viel mehr gelobt werden, als das Ausgeben.

f) Es ist doch wieder passiert: der Hund hat es wieder ausgespuckt. Was tut man da am besten? Man besteht darauf, dass der Hund das Dummy wieder aufnimmt, indem man einige Schritte zurück geht und sich das Dummy in die Hand apportieren lässt oder man schießt es mit dem Fuß ein Stück weg. Dann nimmt man am besten die Hände auf den Rücken und geht NICHT dem Hund entgegen, sondern in die entgegengesetzte Richtung - vor dem Hund weg. Dabei ruft man ihn zu sich. Wenn der Hund neben einem ist lässt man ihn ein Stück neben sich gehen mit dem Dummy (immer wieder den Befehl „Halten / Fest / Festhalten“ dabei sagen) und erst dann nimmt man dem Hund den Dummy ab. Noch besser wäre, wenn man dem Hund die Brust vorher kraulen würden, damit er es richtig genießt, das Dummy im Fang zu halten. Dabei beugt man sich aber nicht über den Hund, sonder man geht in die Knie!

Der Hund nimmt den Dummy nicht korrekt mittig

a) Man könnte dem Hund einen schwereren Dummy anbieten (1,5 , 2 , 3 , 4 oder 5 kg). Den kann der Hund nicht am Zipfel tragen, ohne dass er schwere Seitenlage hat.

b) Man könnte dem Hund einen Wasserdummy anbieten, den man selbst (Ventil) mit Wasser befüllen kann. Wenn man den Wasserdummy nicht ganz voll füllt, schwappt er immer zu einer Seite, wenn der Hund ihn nicht mittig nimmt.

c) Man könnte das korrekte Nehmen, Halten und Ausgeben in die Hand mit dem Clickertraining verfeinern. Es gibt dann nur ein „Click & Belohnung“ (C&B) für den korrekten Griff.

d) Man übt den Gehorsamsapport von Anfang an mit dem richtigen Griff (siehe Kapitel „Gehorsamsapport“) - dann dürften solche Probleme kaum auftreten. Wenn doch, müsste man halt wieder ein paar Trainingsschritte zurückgehen und das korrekte greifen aus der Hand, dann vom Boden usw. üben.

Der Hund knautscht auf dem Dummy herum

a) Auf ein Wort: der Dummy ist kein Spielzeug! Zerrspiele oder das freie Überlassen des Dummies dem Hund sind absolut tabu! Dummyarbeit ist Arbeit (die auch Spaß machen soll). Und der Dummy gehört bevor man beginnt und nachdem man die Übungen beendet hat dem Hundeführer und nicht dem Hund.

b) Wieder könnte es ein Problem des nicht oder schlecht gelernten Haltens sein. Also geht man wieder einige Trainingsschritte zurück und übt ganz speziell das richtige, knautschfreie Festhalten in ablenkungsarmer Umgebung. Nur wenn der Hund den Dummy korrekt und ruhig hält lobt man ihn und lässt ihn ausgeben. Unterstützend kann man den Fang mit der Hand ruhig halten oder dem Hund sanft unterm Fang streicheln. Am besten baut man sich zu diesem Training nicht groß vor dem Hund auf sondern geht in die Knie. Die Zeiten des Haltens und schließlich Tragens bei Fuß langsam steigern. Auch hier kann man entweder die Gehorsamsapportmethode à la OlafD oder die Clickermethode anwenden.

c) Je nach dem wie sensibel der Hund ist und wie gut der Apport schon gefestigt wurde, kann man das Knautschen beim speziellen Festhalten-Training auch mit einem „Nein“ oder strengerem „Festhalten“ unterbinden - das sollte den Hund allerdings nicht dazu bringen, den Dummy auszuspucken. Wenn er es korrekt hält, sollte man ihn aber auch richtig dafür loben!

d) Die Lösung à la Hardcore wäre: man übt den Apport (Jagdhunde-Gehorsamsapport) mit einem Stück Kupferrohr. Das ist so hart, dass dem Hund das Knautschen auf diese Weise verleidet wird. Vielleicht hilft auch schon ein Apportel aus Holz, wenn man zuvor mit weichen Dummies trainiert hat.

Der Hund rennt samt Dummy davon bzw. kommt damit nur ungern zurück

a) Zunächst die Frage: ist das Kommen auf Pfiff oder Zuruf bereits gefestigt? Wenn nein, sollte der Hund dies zunächst an der Schleppleine lernen. Bevor er nicht zuverlässig auf Kommando kommt, muss der Hund auf jeden Fall ständig beim Spazierengehen und beim Dummytraining an die Schleppleine genommen werden. Wie man das zuverlässige Kommen trainiert soll hier nicht erklärt werden. Wichtig ist dass es der Hund es positiv verknüpft, wenn er zu seinem Frauchen oder Herrchen zurückkommt.

b) Man könnte das Problem des unzuverlässigen Kommens umgehen, indem man den Hund einfach an die Schleppleine legt. Der Hund soll den Dummy nicht als Beute frei zur Verfügung haben dürfen und einfach damit wegrennen können. Durch die Unterstützung mit der Schleppleine lernt er diese Unart erst gar nicht.

c) Ein häufiger Fehler könnte auch sein, dass dem Hund seine Beute zu schnell weggenommen wird. Kommt der Hund zurück loben wir ihn kräftig, dann kann man ihn zunächst noch ermuntern den Dummy noch eine Weile „bei Fuß“ zu tragen bevor man ihn ausgeben lässt. Oder wir bieten dem Hund einen lukrativen Tausch mit seinem Lieblingsspielzeug an.

d) Rennt der Hund mit dem Dummy weg, rennt man selbst in die entgegen gesetzte Richtung davon. Dabei ruft & lockt man den Hund zu sich. Wenn der Hund aufgeschlossen hat, lobt man ihn, verlangsamt das Tempo, lässt ihn noch eine Weile bei sich gehen um sich dann den Dummy ausgeben zu lassen. Nicht zu früh damit anfangen, den Hund zum Vorsitzen zu bewegen - wenn er rasch kommt und bringt ist das zunächst Erfolg genug.

e) Eins noch: irgendwann muss aus Spiel auch Ernst werden. Kommandos müssen nun mal befolgt werden - den Absprung sollte man nicht verpassen.