Die Suche

Suchensystematik

Bevor man mit der Suche beginnt, ist es wichtig die Windrichtung zu überprüfen. Der Wind sollte stets in Suchenrichtung von vorne kommen (Stirnwind). Die Windrichtung kann sich während eines Suchenganges durchaus verändern. Deshalb sollte man als Hundeführer den Wind auch während des Suchenganges beachten. Der Hund wird so geführt, dass er ein Feld systematisch absucht, quasi in den Wind nach vorn hineinkreuzt und den Kontakt zum Wind z.B. durch Wenden aus dem Wind heraus, nie verliert - sonst besteht die Gefahr, dass er mit dieser falschen Wendung keine Witterung aufnehmen kann und damit Federwild überläuft. Hier mal eine grob vereinfacht, schematische Darstellung (sorry, Picasso hat leider keine genetischen Spuren in mir hinterlassen):

Suche 01

Jeder Hundeführer sollte vor Beginn der Suche durchaus inne halten und sich das Feld genau anschauen, denn nicht jedes Feld bildet ein ideales Rechteck und nicht immer bestehen ideale Windverhältnisse. Wo könnte sich Wild befinden (Deckung, Senken, Randbereiche)? Welche Randbereiche und Feldkanten sollte der Hund möglichst mit absuchen? Wie lege ich die Suche an um möglichst keine Bereiche liegen zu lassen?

Startritual

Bevor die Suche beginnt, sollte der Hund sich bereits gelöst haben d.h. seine großen und kleinen "Geschäfte" bereits erledigt haben. Es macht sich nie gut, wenn der Hund seine Suche und damit seine Konzentration ständig unterbricht, weil er sich lösen muss. Es gehört bei uns schon zum Anfangsritual vor einer Prüfung, dass der Hund am Weg auf und ab geführt sich an der Flexileine lösen soll.

Idealer Weise beginnt jeder Suchengang mit dem gleichen Ritual und Kommando, damit sich der Hund auf die gefragte Suchenarbeit einstellen kann. Üblicherweise sieht man gerade auf internationalen Field Trial Wettbewerben folgendes Bild: die Hunde dürfen, wenn sie zum Startpunkt laufen, zumeist an der Leine ziehen – die Hundeführer wollen ihre Hunde in ihrer Passion nicht bremsen, sondern lassen ein Hochpushen durchaus zu. Man nutzt einfache Moxon-/Retrieverleinen (Leinen, die wie ein Lasso so geschlauft sind, dass man keine Halsung benötigt), mit denen man den Hund halsungslos schnell an- und ableinen kann. Direkt bevor es losgeht, wird der Hund am Nackenfell gepackt, aus der Leine geschlauft, und schließlich rennender Weise in die Suchenrichtung jeweils in rechter oder linker Richtung energisch vorangeschickt.

feldsuchefeldsuche

feldsuchefeldsuche

Als Kommando hört man häufig ein aufmunterndes „Allez!“ (wie „Alleee!“ = franz. für Los! Auf geht’s!). Dieses Kommando hat, im Gegenteil zum Kommando „Such voran“ o.ä. zum Vorteil, als dass man in Deutschland das Wort „Such“ gerne auch für andere Aufgaben, z.B. eine Verlorensuche gebrauchen kann.
Der Suchengang

Die Suche sollte in ausreichender Weite erfolgen, das Gelände möglichst voll ausnutzend sein d.h. der Hund sollte keine Randbereiche liegen lassen, der Sichtkontakt zum Hundeführer sollte jedoch nicht abreissen.

Die Suche sollte ausdauernd und im hohen Tempo erfolgen. Gangart ist hier der schnelle Galopp mit vollem, kräftigem Sprung. Der Suchenfluss sollte nicht häufig von langsameren Galopp-Phasen, bzw. nie vom Trab und nicht von häufigen Schnüffelphasen am Boden unterbrochen werden.

Beim irischen Setter gibt es eine Ausnahme, wann die weite, rasante Suche unterbrochen werden darf – es heißt nämlich im Arbeitsstandard:

  • Irish Setter sind schnelle und weite Aufklärer. Sie nutzen die Fläche mit Intelligenz und Präzision - sie unterbrechen den Suchenfluss um den Wind nach den feinsten Geruchsspuren nach Wild zu untersuchen. Ist ihr Verdacht unbegründet setzen sie ihre Suche mit hoher Dringlichkeit fort.
bzw

  • Beim Finden von Wildwitterung unterbrechen die Irish Setter ihren Suchenfluss, werfen sich ein wenig ruckartig in den kegelförmigen Witterungsstrom, bevor sie dann schließlich nachziehen um das Wild festzumachen. Wenn sie den Wind für die exakte Ortung der Vögel überprüfen sinkt der hintere Körperteil herunter und der vordere Körperteil bleibt mit den Schultern und mit dem Kopf nach oben gerichtet.
Das heißt, dass hier auch schon die Bedingung gestellt wird: die Unterbrechung der Suche ist nur mit hoher Kopf-/ Nasenhaltung akzeptabel, wenn der Hund Wildwitterungspartikel wahrgenommen hat und diese näher überprüfen möchte.

Die Zusammenarbeit zwischen Hund und Führer sollte erkennbar sein, die Suche jedoch nicht stören. Es gibt Hunde, die sich mehr und Hunde die sich weniger gerne anleiten lassen. Diese Bereitschaft zur Zusammenarbeit nennt man „Führigkeit“ und fließt in die Bewertung der Prüfung mit ein. Der auch als „will to please“ bekannte Wille zur Zusammenarbeit mit dem Führer, sich also durch dessen Einfluss in der Suche lenken zu lassen, ist eine besondere Veranlagung britischer Arbeitshunde. Ein Hund, der direkt nach vorne in den Wind startet und sich kaum mehr nach seinem Führer umschaut, oder der so gut wie kaum auf die Weisung durch Handzeichen und Körperssprache reagiert, zeigt eine geringe Führigkeit.

feldsuche

Es liegt neben der Veranlagung auch an der Fähigkeit des Hundeführers, diese Führigkeit durch gezieltes Training zu schulen. Dabei kommt es natürlich auch auf richtiges Timing und die Fähigkeit, seinen Hund lesen zu können an. Es macht wenig Sinn seinen Hund, der gerade dabei ist eine Witterung zu überprüfen, aus der Suche herausdirigieren zu wollen. Oder eine Wendung einzuleiten, wenn der Hund gerade in vollem Tempo und ganzer Konzentration sich von einem weg bewegt. Die Veranlagung zur Führigkeit, d.h. ab und an einen Blick auf den Hundeführer zu werfen, um zu „fragen“ ist bei den britischen Vorstehhunden durchaus vorhanden. Man braucht nur das richtige Timing, eine gute Beobachtungsgabe und eine gewisse Überzeugungskraft (z.B. durch zielstrebiges Rennen & Handzeichen in die gewünschte Richtung), dieses auch für sich zu nutzen. Richtig „Punkten“ kann man bei seinem jungen Lehrling besonders, wenn man es als Hundeführer versteht, durch seine geschickte Weisung den Hund direkt zum Erfolg zu bringen (z.B. wenn sich in gezeigter Richtung auch tatsächlich Wild befindet) – der Hund lernt schnell, dass wenn man den Richtungsangaben von „Herrchen“ oder „Frauchen“ folgt, diese tatsächlich zum Erfolg führen können.

Üblicherweise nutzt man drei verschiedene Pfeiffkommandos für die Führung des Hundes auf dem Feld:

  • ein einmaliger glatter Ton "Tüt" = Wendepfiff = Richtungswechsel bzw. soll der Hund zum Hundeführer schauen
  • ein Doppelpfiff "Tüüt - Tüüt" = Kommpfiff = der Hund soll unverzüglich zu seinem Führer herankommen
  • ein langer Trillerpfiff "Trrrrrrt" = absolutes Stopp- oder Downkommando um den Hund z.B. in der Hetze sofort zu stoppen (fortgeschrittene Ausbildung)
Noch ein kleiner Tipp: Ist man als Hundeführer typisch waidgerecht grün gekleidet, so ist zu bedenken, dass man sich dadurch für den Hund kaum sichtbar vom evtl. ebenfalls grünen oder wenig kontrastreichen Hintergrund abhebt. Eine helle bzw. weiße Weste oder gar Jacke erhöht die Sichtbarkeit des Hundeführers für den Hund. Der Hund kann dadurch Führungsanweisungen besser wahrnehmen.

Der rassetypische Stil

Bei der Prüfung wird festgestellt ob der Hund „im rassetypischen Stil“ läuft. Dieser Stil wurde für die roten Irischen Setter > HIER (Link) detailliert & ausformuliert festgeschrieben. Dieser Standard legt fest in welcher Art und Weise ein irischer Setter suchen & vorstehen sollte. Dies dient nicht einem Selbstzweck, sondern man hat erkannt, dass bestimmte Eigenschaften im Körperbau, in der Bewegung, in der Art der Nasenführung, in der Suchensystematik und Zusammenarbeit mit dem Hundeführer und in der Art und seinem Verhalten beim Vorstehen den Irish Setter am besten befähigen auf Rebhühner bzw. Moor- und Schneehühner zu jagen. Nach diesen Kriterien soll der Irische Setter züchterisch selektiert werden.

feldsuchefeldsuche
ein gutes Beispiel für kraftvollem Sprung und hohe Kopfhaltung

feldsuchefeldsuche 
ein schlechtes Beispiel: der Hund wirkt ermüdet, der Sprung ohne Kraft, die Kopfhaltung ist zu tief

 
An dieser Stelle soll nur auf die wichtigsten Kriterien und gewisse Einflüsse darauf eingegangen werden:

Vereinfacht beschrieben, soll der Hund einen kraftvollen Sprung mit viel Vorwärtsdrang, voller Intensität und ohne jegliche Tendenz zur Schwerfälligkeit zeigen. Je risikobereiter und „frischer“ (Kondition) die Suche, desto besser wird dies zur Geltung kommen. Je idealer der Hund für seine Arbeitsweise gebaut ist, desto leichter & kraftvoller wirkt sein Galopp und desto ausdauernder wird er sein hohes Suchentempo halten können.

Der Hund sollte mit hoher Kopf- bzw. Nasenhaltung suchen. Was mindert die Kopfhaltung? Mangelnde Kondition, mangelnde Konzentration, geringer Wildfinderwillen und nicht zuletzt ist es schließlich eine Sache der Veranlagung. Kondition & Konzentration sind eine Sache des Trainings. Je höher der Bewuchs, desto eher ist der Hund geneigt seinen Kopf höher zu halten. Hunde die jedoch zu einer hohen Kopfhaltung veranlagt sind, werden dies auch bei geringer Bodendeckung zeigen. Ein junger Hund mit der gewissen Portion Wild finden zu wollen, wird bald feststellen, dass er dies am besten mit einer hohen Nasen-/ Kopfhaltung bewerkstelligen kann auch kleinste Witterungspartikel, die vielleicht über weitere Distanzen vom Wind fortgetragen wurden, aufgreifen zu können.

Es heißt im Arbeitsstandard der Irish Setter:

Beim Galopp werden der Kopf oberhalb der Rückenlinie und die Schnauze immer parallel zum Erdboden getragen. Der Galopp ist schnell, flüssig und frei von offensichtlicher Anstrengung. Die Rückenlinie verbleibt, infolge der harmonischen Interaktion zwischen Vorder- und Hinterläufen, so gut wie möglich in der Horizontalen. Da der Körper des Irischen Setters annähernd quadratisch ist, erscheint der galoppierende Hund relativ hoch über dem Erdboden.

Hier nochmal: je ausgewogener und ausbalancierter ein Hund für sein Arbeitstempo Galopp gebaut ist läuft, desto stetiger kann er seinen Kopf hoch über den Boden tragen. Er läuft für den Betrachter so, dass man quasi eine Tasse Tee auf seinem Rücken abstellen kann, ohne dass er sie trotz seines schnellen Galoppes ausschütten würde. Ein Hund der im Galopp regelrecht "ackert" bzw "schaukelt" wird diese Ungewichtigkeiten in der Bewegung, durch höheren Krafteinsatz und mit dem Kopf als Gegengewicht wieder ausbalancieren müssen - weshalb der Kopf in der Bewegungsfolge, mal höher und mal tiefer erscheint. Dies hat zur Folge, dass der Hund den Wind nicht optimal nach Wildwitterung filtern kann. Der unausgewogene Galopp führt zudem dazu, dass solche Hunde schneller ermüden, ihre Konzentration nachlässt und sie ihr Tempo nicht ausdauernd halten können.

Beim Galopp sollte die Rute möglichst ruhig getragen werden und nur zur Ausbalancierung bei den Wendungen bewegt werden. Die Rutenhaltung ist v.a. eine Sache der Veranlagung. Je zielgerichteter, ausbalancierter, schneller und sicherer ein Hund arbeitet, desto ruhiger kann die Rutenhaltung in der Suche werden.

Welche Fehler sollte man vermeiden?

Den Hund auf Kosten von Suchenweite und Passion durch ständige Wendepfiffe immer wieder aus dem Suchenfluss holen.

Die Richter wollen bei der Jugendanlagenprüfung keine perfekte Suchenperformance sehen. Spätestens nach dem 5. Pfiff innerhalb von den ersten paar Minuten, ist der geneigte Richter bereit, sein Jagdmesser aus der Tasche zu holen, um dem Hundeführer die Pfeife wohlmeinend vom Hals zu schneiden. Die Richter wollen die Anlagen des Hundes durchaus wohlmeinend beurteilen und weniger die Performance und Pfeifenkünste des Hundeführers. Oft passieren durch diese zu starke Kontrolle des Hundes wesentlich mehr Fehler. Die Britischen Vorstehhunde sind durchaus zu einer guten Suchenstystematik und Ausnutzung des Windes veranlagt. Wenn man den Hund also zu einem falschen Zeitpunkt aus dem Suchenfluss durch einen Pfiff herausholt, kann es sein, dass dieser falsch aus dem Wind wendet, Wild überläuft, nicht in seinen Suchen-Rhythmus findet bzw. das Feld auch gar nicht zu seiner vollen Breite ausnutzt. Merke: natürliches Wild hält sich durchaus gerne, gerade bei kaltem scharfen Wind in den Randbereichen auf.

Den jungen Hund bei seiner Suche nicht unterstützen.

Ein junger Hund ist in seiner Suche noch nicht so ausgereift, wie ein erwachsener und geschulter Hund. Selten ist der junge Hund schon so fertig, dass der Hundeführer sich in aller Ruhe stur geradeaus in Suchenrichtung bewegen und nur durch dezente Handzeichen den Hund führen kann. Meist sollte der Hundeführer seinen jungen Hund im Suchenfluss und in der Suchensystematik durch ein Mitrennen im Hase-Igel-Spiel und Handzeichen unterstützen:

Der junge Hund hat stets das Bestreben, sich vor seinem Führer zu befinden. Diese angeborene Eigenschaft kann man in der Anleitung zur Quersuche ausnutzen, indem man in die Richtung läuft, in die der Hund suchen soll und dabei gut sichtbar die Hand in die gleiche Richtung hebt. Hat man einen Hund mit einer hohen Grundschnelligkeit, braucht man hierzu keine besonders schnelle Gangart einzuschlagen; hat man jedoch einen jungen Hund, der noch aufgemuntert werden muss, so kann man durchaus in die angegebene Richtung rennen, was den Jungspund zumeist dazu veranlasst, Gas zu geben, seinen Hundeführer zu überholen und in diese Richtung bis zu einer bestimmten Distanz (dabei wird er sich auch an seinem Hundeführer orientieren) zu laufen. Der Hundeführer muss abschätzen, bis zu welchem Punkt sein Mitlaufen ausreichend ist (Stichwort Weite und Randbereiche), dann wird er die Richtung und das Handzeichen wechseln und in die andere Richtung laufen. Am besten wechselt man die Richtung in einem Moment, wo man gerade nicht die Aufmerksamkeit des Hundes hat, um sich einen gewissen Vorsprung in die andere Richtung zu verschaffen. Der Hund wird diesen Richtungswechsel schließlich bemerken und seinem Hundeführer folgen wollen: er wendet , folgt in die andere Richtung und wird seinen Hundeführer wieder überholen. Dadurch entsteht automatisch eine Quersuche.

Man kann mit dieser Anleitung die Suchenweite, das Tempo (je nachdem wie passioniert der Hundeführer selbst läuft) und auch das richtige Wenden in den Wind steuern. Besteht die Gefahr, dass der Hund aus dem Wind heraus wendet, dann sollte der Hundeführer durch ein energisches dem Hund Entgegenlaufen, verbunden mit Sichtzeichen (Hand zeigt in die gewünschte Suchenrichtung) und Kommando (z.B. „Weiter“), den Hund dazu bewegen weiter in die gewünschte Richtung zu laufen. Erkennt der Hundeführer, dass die Körperposition des Hundes dann dazu geeignet ist, dass er beim Heranrufen richtig in den Wind wenden wird, so sollte er ihn zur Wendung bewegen.

Dies macht man auch, wenn der Hund zu früh wenden möchte – man ermuntert ihn also weiter in diese Richtung zu laufen, bis die Feld- (oder Sicht-)kante erreicht ist. Erst dann leitet man die Wendung in die entgegengesetzte Richtung ein.

Im Laufe der Ausbildung lernt der Hund, auf Handzeichen und Körperhaltung zu achten und dem Hundeführer fällt es zunehmend leichter, den Hund in seiner Suche zu steuern.

Den Hund zu sehr kontrollieren.

Die Richter wollen durchaus eine risikobereite, rasante und vom Wildfinderwillen geprägte Suche sehen. Es ist besser den Hund in der Suche (voran) schicken zu können, als ihn zu stark z.B. durch häufiges Pfeifen zu kontrollieren und bremsen zu wollen. Natürlich soll der Hund sich in der Suche mgl. nicht verselbständigen und völlig aus der Hand gehen. Aber noch weniger möchte man eine gebremste, zwar sehr systematische Suche, jedoch ohne Risiko und Passion sehen. Besser als mit der Pfeife, die den Hund ja stets aus dem Suchenfluss zu sich heranholt, lenkt man den Hund durch oben beschriebenes Hase-Igel-Spiel.

Die Suche wird häufig von Schnüffeln auf dem Boden unterbrochen.

Dies ist etwas, was man bei einer setter- und pointertypischen Suche gar nicht sehen will: nämlich dass der Hund seine Suche verlangsamt und durch häufiges Beschnüffeln von Fährten oder gar Mäuselöchern unterbricht. Es gibt verschiedene Gründe, warum junge Hunde dies tun:

  • sie haben im Training zu wenig richtiges Federwild suchen & vorstehen können (wissen also gar nicht worum es geht),
  • sie haben beim täglichen Gassi-Gang gelernt Mäuselöcher eingehend zu untersuchen, so dass ihnen diese Beschäftigung größes Vergnügen bereitet
  • oder die Konzentraion & Kondition lässt im fortgeschrittenen Suchengang nach.
Letztere ist zuerst eine Frage des Trainings und bei der Prüfung schließlich Ermessen der Richter, den Hund wenn er ermüdet zunächst zurück zu stellen, um ihn später noch einmal aufzurufen. Der Hund sollte eine 5 bis 10 minütige Suche (je nach Witterungslage) ohne Ermüdungserscheinungen durchaus durchhalten können. Die Kondition und v.a. die nicht zu unterschätzenden Konzentrationsleistung des Hundes sollte man im Training langsam steigern. Jungen Hunden dürfte es leicht fallen 15 Minuten am Stück beim täglichen Gassi-Gang im vollen Galopp zu laufen, aber eine Suche nach Federwild, wo der Hund den Wind auf feinste Geruchspartikel stets überprüfen muss, den Kontakt zum Hundeführer nicht abreissen lassen soll und seinen Wildfindeverstand arbeiten lassen muss, erfordert eine hohe Konzentrationsleistung vom Hund, die man zunächst einmal im Training schulen sollte. Auch Hunde denen es leicht fällt ausdauernd, weit, spritzig und mit hohem Tempo übers Feld zu laufen, neigen dazu aufgrund von Konzentrationsmangel und gerade aufgrund ihres hohen Tempos Wild schließlich zu überlaufen (d.h. nicht zu finden) oder durch Unachtsamkeit einfach herauszuschmeissen. Die Briten haben dafür ein sehr einfaches Rezept: überpassionierte, schnelle und zu hoher Weite neigende Hunde werden von ihnen in Gebieten mit möglichst hoher Wilddichte geschult. Sichere Finder & Vorsteher, denen es in der Suche vielleicht ein wenig mangelt, dagegen in Gebieten mit geringer werdender Wilddichte.

Es sollte selbstverständlich sein, den Hund vor einer solchen Prüfung möglichst häufig an Federwild (Rebhühner, Fasane, Wachteln) zu bringen – idealerweise nutzt man das Paarhuhnfeld im Frühjahr. Der Hund muss wissen warum man dieses Suchenspielchen auf dem Feld betreibt. Wer nicht ausreichend natürliches Federwild in seinem Revier hat, sollte wohl oder übel weitere Fahrten in Kauf nehmen um in wildreichen Gegenden zu trainieren. Allerdings habe ich festgestellt, dass selbst in Ländern wie Ungarn, wo reichlich Federwild vorhanden ist, die Hunde zunächst an ausgesetztem Wild geschult werden, bevor sie schließlich an natürlichem Wild trainieren können. Dazu später mehr.

Neigt der Hund trotzdem dazu sich an Witterung am Boden festzukrallen, dann muss man in der Ausbildung darauf achten, ihn bei der angeleiteten Quersuche ausgiebig mit Wildkontakten zu „belohnen“, damit seine Bereitschaft und Motivation steigt, selbständig das Feld nach Federwild abzusuchen.

Der Hund läuft in Suchenrichtung hinter seinem Hundeführer vorbei.

Dies ist ebenfalls nicht erwünscht. Der Hund sollte stets vor seinem Hundeführer suchen, sonst besteht die Gefahr, dass der Hundeführer das Wild ungewollt heraustritt, bevor der Hund dies finden und vorstehen kann. Hunde die in ihrem Wildfinderwillen, vielleicht aufgrund von zu viel Druck und Zwang des Hundeführers auf den Hund am Wild, beeindruckt sind, neigen dazu häufig hinter ihrem Hundeführer zu laufen – sie wirken in ihrem Drang nach vorne zu gehen irgendwie gebremst, weil sie Angst haben einen folgenschweren Fehler zu begehen, der durch den Hundeführer (Druck, Zwang) geahndet werden könnte. Mangelnde Suchensystematik durch falsches oder mangelndes Führen (s.o. Suchensystematik) oder die im Suchengang geänderte Windrichtung bzw. schwierige Geländebedingungen können ebenfalls Gründe dafür sein. Hier liegt es am Hundeführer selbst die Systematik durch richtiges Führen & Anleiten zu verbessern.

Die Suchenschleifen sind zu eng oder zu weit.

Junge, unerfahrene und hoch passionierte Hunde neigen durchaus dazu, die Suche zu schnell in die Tiefe (nach vorne) voran zu treiben und lassen dadurch viel Fläche unabgesucht liegen. Die Folge ist, dass sie Wild überlaufen und ihre Chance zum Vorstehen nicht nutzen können. Hält der Hund die Schleifen sehr sehr eng, besteht zwar weniger die Gefahr, dass er Wild überläuft, meist wirkt solch eine Suche jedoch zu stark kontrolliert und quasi ohne den gewünschten „Pepp“. Es liegt an der Bewegung des Hundeführers und an seiner Führungsweise auf dem Feld, wie schnell er die Suche auf der Fläche in die Tiefe vorantreibt. Bewegt er sich rasch auf dem Feld voran, so treibt er seinen Hund in die Tiefe nach vorne. Bewegt er sich hingegen langsamer nach vorne und versucht durch zielstrebiges & ausgiebiges Mitrennen nach links und rechts die Suche des Hundes in seiner Genauigkeit zu unterstützen, so wird der Hund weniger Fläche liegen lassen.

Für ein enges oder weites Anlegen der Suchenschleifen sind auch die Windverhältnisse entscheidend: bei geringem Wind sind enge Schleifen erforderlich um Wild nicht zu überlaufen, wohingegen weite Schleifen bei kräftigen Windverhältnissen durchaus angemessen sind.

 

Das Finden und Vorstehen von Federwild

Gliederung des Vorstehvorganges

Die Suche unterbrechen und in die Witterung hineinziehen

Bei der Suche durchsiebt der Hund mit seiner Nase den Wind, auf der Suche nach feinsten Wildwitterungspartikeln. Hat er einen Verdacht, so unterbricht er seinen Suchenfluss um diesen Verdacht zu überprüfen. An dieser Stelle entscheidet es sich, ob die Intensität der Witterung stark genug ist um ein Vorstehen einzuleiten. Ist die Intensität der Wildwitterung (= Reiz) zu gering, bzw. verliert der Hund diesen Witterungsstrom, so sollte der Setter seine Suche selbständig wieder fortsetzen. Ist sie jedoch stark genug, so soll er den Vorstehvorgang einleiten.

Es gibt Hunde, die dazu neigen, selbst bei (zu) geringer Wildwitterung vorzustehen. Sie können im Endergebnis ihres Verhaltens (Vorstehen) schließlich kein Wild zeigen. Sie neigen dazu häufig „leer“ vorzustehen und können kein Ergebnis = Federwild zeigen. Andererseits gibt es Hunde, die erst einen sehr intensiven Reiz brauchen, um vorzustehen und dabei sehr nah auf das Wild aufrücken. Und es gibt Hunde die sehr schnell sind und noch nicht gelernt haben, bei dieser hohen Laufgeschwindigkeit Wildwitterung und Vorstehen in Einklang zu bringen, so dass sie dazu neigen Wild zu überlaufen.

Auch der Wind spielt eine große Rolle. Zu harscher Wind verweht den Witterungsstrom, so dass es den Hunden schwerfällt den Witterungsstrom zu halten, die Quelle des Witterungsstromes auszumachen bzw. überhaupt Geruchspartikel in ihm wahrzunehmen. Windflauten bzw. ständig wechselnde Winde machen es einem jungen Hund ebenfalls nicht leicht, das Wild rechtzeitig wahrzunehmen.

Man spricht von der „Güte der Nase“ die es einem Hund ermöglicht, Wild nicht zu überlaufen oder heraus zu werfen, sondern auf richtiger Distanz Wildwitterung auszumachen, um das Federwild schließlich festmachen zu können. Die Güte der Nase ist zum einen eine Frage der Veranlagung eines Hundes und zum anderen des Trainings und der Einarbeitung.

Hunde die ihre Suche ständig unterbrechen um leer vorzustehen und kein Wild zeigen können, sind ebenso wenig erwünscht, wie Hunde die das Wild überlaufen oder herauswerfen. Im Gegensatz zur Verbandsjugendprüfung (VJP) nach JGHV, reicht es bei den settertypischen Anlagenprüfungen nicht, dass der Hund nur Wildwitterung durch eine Vorstehpose „anzeigt“, sondern ein Setter soll beweisen, dass er Federwild finden und festmachen kann = Vorstehen mit Resultat! In der Jugendanlagenprüfung werden o.g. Fehler (Leer Vorstehen, Überlaufen, Herauswerfen) noch nicht zu überbewertet bzw. bekommt der Hund mehrere Chancen geboten um seine Anlagen dahingehend zu beweisen. Später bei den Leistungsprüfungen können derartige Fehler zur Prädikatminderung oder gar zum Ausscheiden führen.

Festes Vorstehen / Fixieren von Wild durch Beutegreifhemmung

Hat der Hund Wildwitterung ausgemacht, wird er in die Wildwitterung hineinziehen, um das Wild schließlich durch das Vorstehen zu fixieren. Bei diesem Hineinziehen in die Witterung muss der Hund den genauen Punkt ausmachen, wo sich das Wild quasi wie die Maus vor der Schlange regungslos duckt und weder fortläuft noch auffliegt. Das Vorstehen ist also eine Interaktion zwischen dem Hund und dem Federwild. Diese Beutegreifhemmung des Hundes dient also der Beute-Fixierung. Sie ist Teil der Jagdverhaltenskette und bei den Vorstehhunden durch züchterische Selektion besonders betont. Nach der Fixierung erfolgt natürlicher Weise das Zupacken und Töten. Zum einen ist diese Beutegreifhemmung eine genetische Veranlagung und zum anderen auch eine Sache der Einarbeitung und des Trainings. Bei jungen Hunden ist diese Phase des Vorstehens, also der Beutefixierung teilweise noch recht kurz, so dass einem kurzen Vorstehen ein schnelles Einspringen, Verfolgen und Packen wollen folgen kann. In der Jugendanlagenprüfung wird es nicht als Fehler gewertet, wenn der Hund nach einer gewissen Zeit des Vorstehens selbständig einspringt und diesem – Achtung! formschöne Formulierung: „schließlich das Geleit gibt“, sprich: ausgiebig hetzt. Durch Training kann man den Hund dazu bringen, die Phase des Vorstehens zu verlängern.

Auch beim Vorstehen wird „das Wie“ also die Art und Weise bewertet. Der Arbeitsstandard für Irish Setter formuliert das wie folgt:

Aufrechtes oder geducktes Vorstehen sind normale Ausdrucksweisen. Das Vorstehen ist intensiv und fest, erfüllt von Energie und Konzentration: bei rar bedecktem Erdboden oder einem überraschtem Vorstehen in geduckter Haltung, und als fixierte Erweiterung dieser Form, wenn die Vegetation relativ hoch ist, dem Wild nachziehend; dabei ist jedes Setzen der Pfoten kontrolliert und der gespannte und reglose Körper wird ausbalanciert. Der Kopf wird gut hochgehalten, die Augen leidenschaftlich, die Ohren hoch und ausdrucksstark nach vorn gestellt, die Rute starr, sich sträubend mit der Passion des Gefundenem, sich wölbend unterhalb oder in der Rückenlinie.

Das heißt, dass das Vorstehen weder ein gelangweiltes ausdrucksloses Stehenbleiben sein soll, noch dass der Hund in seiner Haltung eine Art Ängstlichkeit zeigt. Das US-amerikanische Vorstehen mit senkrecht nach oben getragener Rute ist zwar in den USA züchterisch gewollt und selektiert, hier in Europa und laut Arbeitsstandard jedoch nicht erwünscht. Während der Hund in das Wild hineinzieht, ist ein gewisses Rutenspiel erlaubt, beim festen Vorstehen soll die Rute jedoch starr und unbeweglich sein.

Folgende Fotos zeigen typische Vorstehmanieren eines Irish Setters:

feldsuchefeldsuche

feldsuchefeldsuche

Nachziehen um das Wild herauszustoßen

Das Ideal einer Vorstehaktion sieht folgendermaßen aus: der Hund steht dem Wild fest vor und wartet bis sein Hundeführer zu ihm herangetreten ist. Auf Kommando soll der Hund gespannt auf das Wild aufziehen um es schließlich hochzumachen. Beim Auffliegen des Wildes fällt ein Schuss – erst damit ist die Aktion beendet und der Punkt (= Vorstehen und Zeigen von Federwild) kann gewertet werden.

Das Nachziehen soll auf Kommando geschehen – dabei darf der Hundeführer den Hund nicht berühren – auch nicht wie auf den folgenden 2 Trainingsfotos mit der Leine:

NachziehenNachziehen

NachziehenNachziehen

Im Arbeitsstandard heißt es hierzu:

[..] .. dem Wild nachziehend: dabei ist jedes Setzen der Pfoten kontrolliert und der gespannte und reglose Körper wird ausbalanciert.

Es gibt Hunde, die dem Hundeführer das Nachziehen verweigern und weiter fest stehenbleiben – sie haben in der Ausbildung zu viel Druck am Wild erfahren und haben Angst einen Fehler zu machen.

Auf der anderen Seite gibt es Hunde, die aus dem Vorstehen in das Wild hineinspringen und nicht wie erwünscht ein gespanntes Nachziehen zeigen. Dies kann verschiedene Gründe haben: Zum einen, weil der vielleicht noch junge passionierte Hund nach einem Moment des Vorstehens, dieses lieber hetzen & greifen möchte. In skandivaischen Ländern (z.B. Dänemark) wird dieses „in-das-Wild-hineinspringen“, um das Wild auf Kommando herauszustoßen, bei der Jagd praktiziert.

Wie bereits erwähnt, wird es dem jungen Hund nicht als Fehler angerechnet, wenn er nach dem Hochmachen des Wildes und dem Schuss das Wild schließlich hetzt.