"Der beste Feldhund, den ich mal gesehen habe, war ein Irish Setter. Für denjenigen, der nur mit einem Hund auf alle Wildarten jagen will, ist der Irische Setter der Beste." (1890, J.M. Tracy, Shooting on upland, marsh and stream)

Wer einmal mit Settern gejagt hat, den lässt diese Faszination nicht mehr los. Es ist diese Mischung aus einerseits Selbständigkeit, Jagdverstand und Passion und andererseits dem Willen mit und für den Hundeführer Beute zu machen, die einen nicht mehr los lässt.

Es ist auch die Anpassungsfähigkeit, Intelligenz und die Lernfähigkeit des Setters, der es ihm ermöglicht sich in vielfältige Jagdarten reinzufinden. Ein Irish Setter Welpe ist wie ein unbeschriebenes Blatt, welches sich in vielerlei Hinsicht auf die Jagdarten beschreiben lässt. Man muss ihm nur Zeit zur Entwicklung geben - eine Mischung aus konsequenter Erziehung und Ausbildung zum selbstständigen und teamgebundenem Arbeiten. Ein Setter ist kein Soldat, kein sturer Befehlsempfänger, der nur das tut, was man ihm vorgeben muss. Im Gegenteil, letztendlich möchte er das Gefühl haben, dass seine Arbeit zum Beuteerfolg des ganzen Teams beiträgt.

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"Wenn er gut trainiert und gut geführt ist, kann keine andere Setterart ihn schlagen. Nachdem, was ich im Laufe der letzten Jahre in Irland gesehen und dabei die besten Hunde bei der Arbeit verfolgt habe, kann ich behaupten, dass der Irische Setter schnell und energisch ist, und mit bestem Stil arbeitet. Ich glaube, dass er eine harte Ganztagesarbeit sogar besser als die anderen leisten kann. Seine Kraft ist außergewöhnlich und ein Jäger, der breite Reviere mit wenig Wild zu bejagen hat, kann keinen Hund finden, der feinnasiger und findiger ist." (1893, R. Lee, 1893, A history and description of the modern dogs of Great Britain and Ireland)

"Wenn er gut trainiert ist" .. ohne Ausbildung und ohne konsequente und einfühlsame Erziehung wird man mit dem Setter wenig Freude haben auf der Jagd. Man muss ihm auch die Möglichkeit und den Raum geben, seine Fähigkeiten, Instinkte und seinen Jagdverstand im Umgang mit dem Wild und den Gegebenheiten zu entwickeln. Wer jedoch einen Setter aus konsequenter Leistungszucht kauft und ausbildet, der wird einen Jagdhund an seiner Seite haben, der nicht nur ein Mitläufer ist, sondern der einem jagdlich gesehen, die "Kohlen aus dem Feuer holt."


Treibjagd



Treibjagd ist nicht gleich Treibjagd. Im Laufe der Zeit haben wir an wenigen, aber durchaus unterschiedlich durchgeführten Treibjagden in Deutschland und Österreich teilgenommen. Von Treibjagden mit durchaus weiträumig abgestellten und von den Hunden und Treibern durchstöberten Wald- und Feldflächen, bis hin zu strengen in Linie bejagten Flächen, wo die Hunde nur hinter kranken Stücken geschnallt wurden und sonst an der Leine bleiben sollten. Im Vordergrund dieser "Gummistiefeljagden" steht das gemeinschaftliche Jagen von Niederwild. Sowohl die Jagd mit Treibern, Schützen und Hunden, als auch die Strecke des Jagdtages war stets bunt und vielseitig.  Für uns und unsere Hunde sind diese Jagden immer etwas Besonderes und unzählige schöne Erinnerungen hängen daran.

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Glück ist,

  • wenn man im Frühtau auf den noch leicht nebeligen Flächen dichtgedrängt mit allen Hunden, Treibern und Schützen im Jagdwagen in den Sonnenaufgang hinein zum ersten Treiben fährt.  
  • wenn dein Hund den geflügelten Infanteristen fängt oder den unters tiefste Gestrüpp eingeschobenen Fasan findet und sauber apportieren konnte.
  • wenn dein noch junger Setter keine Scheu hat und den kranken, klagenden Hasen fest und unverzüglich zu fangen und dir direkt in deine Hände trägt.
  • wenn dein Setter plötzlich unerwartet mit einem offensichtlich kranken Fuchs im Fang hinter dir sitzt.
  • wenn dein Setter fleißig und unermüdlich dichtes und dorniges Gelände nach Wild durchstöbert und trotzdem stets im Treiben und in Kontakt bleibt.
  • wenn dein Setter den einzigsten Hasen des Tages ausfindig, hoch machen und schließlich vor ihm erlegt in die Hände des Schützen bringen konnte. 
  • auch, wenn dir dein Setter stolz und demonstrativ ein ganzes trockenes Brot vor versammelter Jägerschaft in die Hände trägt und zum Lacher des Tages beiträgt.
  • wenn du nach einem Treibjagdtag die Strecke (und sei sie noch so klein) bewunderst, verbläst und dir deine Hunde beim anschließenden Schüsseltreiben zufrieden und müde zu Füßen liegen.

Drückjagd


 
Die häufigste Jagdart, die wir seit 2004 alljährlich mit unseren Settern bestreiten ist die Drückjagd auf Schalenwild. Unsere Setter eignen sich weniger für die vom Stand geschnallten Drückjagden. Ihre Stärke ist es, dass sie durchaus treiberwehrbezogen definierte Waldflächen und Dickungen bogenrein nach Wild durchstöbern, gesundes Wild finden und in Bewegung bringen, um dann rasch wieder zur Treiberwehr zurück zu kehren. Wir sind also mehr in kleinstrukturierten, definierten und von Schützen umstellten Gebieten unterwegs: da, wo es drauf ankommt, dass die Hunde Wild nur kurz anjagen, um dann das Treiben nicht zu verlassen. Beispielsweise steile Hanglagen, die unter- und oberhalb nicht überjagt werden sollen, Sukzessionsflächen mit angrenzendem Totalschutzreservat, beschilfte Erlenwaldbrüche oder größere Feldholzinseln. Hier ist der Setter genau richtig aufgehoben.

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Selbstverständlich wird von den Settern krankes Wild verbellt und versucht so lange zu binden, bis es abgefangen oder erlegt werden kann; kleinere oder weniger wehrhafte Stücke werden gefangen und apportiert oder runtergezogen und festgehalten. Dabei lernen unsere Hunde auf der Jagd voneinander mit dem durchaus wehrhaften Schwarzwild umzugehen. Mit Sancho, Chili und Milan hatten wir an Schwarzwild durchaus zielgerichtet und nachdrücklich aber nicht kopflos jagende Hunde. Unsere Youngsters konnten von ihnen lernen und setzen dies nun immer besser um.
 
Züchterisch ist der Laut beim Setter kein Thema und in den meisten anderen Ländern sogar unerwünscht. Trotzdem kann man sich glücklich schätzen, wenn man zumindest einen sichtlaut jagenden Setter hat. Hunde mit einem weniger lockeren Hals werden von uns mit gut hörbaren Glöckchen ausgestattet - das wird von den teilnehmenden Schützen durchaus positiv angenommen.

Ein Thema sind die immer größer werdenden Gefahren für die Jagdhunde auf Drückjagden: zunehmend agressiv agierendes Schwarzwild, der Wolf, der in unserer jetzigen neuen Heimat in rasch wachsender Population vorkommt (auf den hiesigen Drückjagden in der letzten Saison wurden fast auf jeder Drückjagd ein oder mehrere Wölfe gesichtet), aber auch das Aujetzki-Virus, welches in unserer näheren Bekanntschaft schon einige Hunde elendig zugrunde gehen lassen hat. Man kann seinen Jagdhund nur im begrenzten Maße davor schützen (Schutzwesten, entsprechende Einarbeitung, GPS, Verhaltensregeln). Ein Restrisiko bleibt. Jagd ist und bleibt eine Passion, bei der man Risiken abwägt und in Kauf nimmt - Jagd ohne Hund ist Schund.  
 

Entenjagd



Fast über 10 Jahre lang hatten wir die Möglichkeit mit unseren Settern mehrmals pro Saison an großen Entenjagden teilzunehmen. Diese Entenjagden fanden in einem ca. 20ha großen Karpfenteichgebiet statt und es gab Strecken von bis zu 600 Enten pro Jagdtag. Die erste von bis zu 8 Jagden der Saison fand stets an einem warmen Tag Anfang September statt - die letzte, und herausfordernste Anfang Januar bei bis zu -20°C. Pro Jagdtag fanden stets 4 bis 5 ca. 1-1,5 stündige Treiben statt, die von den Hunden alles gefordert haben. Wir haben an diesen Jagden als Hundeführer, und nicht als zahlende Schützen teilgenommen - über die Art und Weise dieser Jagd ansich möchten wir hier nicht näher eingehen. An dieser Stelle geht es nur darum zu zeigen zu was ein Setter zu leisten im Stande ist.

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Für diese Art zu jagen braucht es sichere und freudige Verlorenbringer. Die Hunde müssen die erlegten, und vor allem die geflügelten Enten in den weiten und verschilften Wasserflächen finden wollen und sicher, auch über weite Distanzen ihrem Hundeführer zutragen - trotz großer Ablenkung, trotz fehlendem Sichtkontakt. Es braucht einiges an Erfahrung und eine hohe Passion bis die Hunde auch weite Stöberwege in die Schilfgebiete hinein wagen um Wild ausfindig zu machen. Ohne Sichtkontakt zum Wild oder zum Hundeführer. Auch hier hat es geholfen, dass die jungen Hunde von den älteren, erfahrenen Hunden lernen können. Unsere Setter haben von Natur aus eine hohe Bringfreude, die man von Welpenalter an fördern sollte. Trotzdem lernen sie ab einem gewissen Alter noch den Gehorsamsapport, denn auf diesen Jagden müssen wir uns ganz auf das sichere Zutragen von Beute verlassen können. Es hat sich gezeigt dass eine "retrieverähnliche" Apportausbildung durchaus von Nutzen ist. So lassen sich die Hunde sehr gut am Wasser auch über höhere Distanzen und mit fehlendem Sichtkontakt zur Beute einweisen. 

Unsere Setter haben dies hervorragend leisten können - es hat schlicht und ergreifend Spaß gemacht mit ihnen dort zu jagen.
Es sind Setter, die
  • in der Lage sind geflügelte Enten zu verfolgen, sie unverzüglich zu greifen und zu apportieren
  • die auch bei äußerst niedrigen Temperaturen, wieder und wieder ins Wasser gehen um das erlegte Wild zu bergen
  • sich ausdauernd über einen langen Jagdtag hinweg durch weite und dichte Schilfgebiete zum Wild durchkämpfen
  • die sich immer wieder ins dichte Schilf zum Stöbern schicken lassen
  • denen die vielen und lauten Schüsse aus nah und fern nichts ausmacht bzw. sogar anspornen
  • sich durchaus auch auf verlorenes Wild über größere Wasserflächen oder über einen Schilfgürtel hinaus in das nächste Schilf einweisen lassen
  •  gerne ins Wasser gehen und Spaß an dieser Art des Beutemachens haben
  • auch mal größere Stücken Federwild anlanden können, schwierige Nachsuchen im Wasser zu Ende bringen oder den kranken Fuchs anbringen
Obwohl diese großen Jagden, was du Hundearbeit betrifft, sehr viel Spaß gemacht haben, haben wir als Jäger durchaus mehr Freude an den kleinen Entenstrichen im kleinen Kreise. In Zukunft wird dort unser Schwerpunkt in Sachen Wasserarbeit liegen, denn diese großen Entejagden sind Geschichte.