Sancho

+ 01. Sept. 2014

sancho Unser English Setter Sancho war der erste Hund, der in unser Leben trat. Er kam in einem Alter von 2,5 Jahren aus dem Tierschutz zu uns. Die erste Zeit war gar nicht so einfach mit ihm - wir einerseits mit Null Hundeerziehungserfahrung und er als durchgeknallter Südländer ohne jegliche Erziehung oder Bindung. Es war ein langer Weg bis wir schließlich zu einem miteinander-Lebens-Kompromiss gefunden haben, aber wir haben ihn gefunden. Die Krönung dieses Weges war das Bestehen der Brauchbarkeitsprüfung und schließlich die vielen erfolgreichen Jagden mit ihm.

Über Sancho


sancho 13 2Sancho zu beschreiben ist gar nicht so einfach. Sancho ist eben Sancho - eine ganz spezielle Persönlichkeit. So wie sein Fell gefärbt ist, so ist er auch: es gibt da so ein paar kleine schwarze Flecken auf ganz viel weißem Untergrund. Ein paar dieser schwarzer Flecken sind zum Beispiel seiner Hibbeligkeit, seinem Kontrollwahn und Ungeduld geschuldet. Das Weiß besteht beispielsweise aus seiner Verlässlichkeit. Gerade wenn neue Hunde ins Rudel kommen, so kann ich mich auf ihn verlassen im Umgang mit ihnen, aber auch auf den Spaziergängen, wo ich weitaus mehr Acht auf die Neuen geben muss während Sancho treu um mich herumtüdelt. Oder seine Ausnahmearbeiten auf den Entenjagden, wo er auch noch die letzte geflügelte Ente irgendwo aus dem Schilf gekramt hat und sie mir diese auch über große Entfernungen sicher bringt. Oder sein Umgang mit Kindern wo er die Rolle des unendlich Geduldigen einnehmen kann.

Als English Setter war er auch der vornehme Gentleman. Das ist für einen Außenstehenden schwer zu beschreiben, man muss es erlebt haben. Bei einem Gentleman gibt es eben gewisse No-Go's und Vehaltensweisen, es gibt Dinge die weit unter der eigenen Würde liegen - so etwas muss sich ein Gentleman nicht geben. Wäre er beispielsweise ein Mensch, dann wäre er immer korrekt und sauber angezogen.

Einen English Setter wie Sancho "besitzt" man nicht einfach. Schließlich beschleicht einem das Gefühl, dass die ganze Verlässlichkeit (inkl. ein paar dieser "schwarzen Flecken" die immer mal auftauchen) letztendlich nur auf einem gemeinsamen Gentleman-Agreement besteht.

Sancho du fehlst uns ..

Bevor er zu uns kam


Sancho ist ein Englisch Setter aus einem rumänischen Tierheim mit einer Tätowiernummer am hinteren Innenschenkel. Von daher vermuten wir, dass er von einem Züchter stammt. Nachforschungen haben ergeben, dass Sancho wohl aus einer Vermehrungszucht in Portugal stammen könnte. Aufgrund seines Verhaltens und seinem Körperbau schließen wir darauf, dass er mit hoher Wahrscheinlichkeit aus einer reinen Arbeitslinie der Field Trailing Setter stammen könnte, aber das sind nur Vermutungen, die wir wohl nie beweisen werden können.

Die Welpentage müssen für ihn schön gewesen sein, denn er hat ein gutes Sozialverhalten, ist wesens- und charakterstark und kennt die meisten, bis auf Ausnahmen als gute Menschen. Aus irgendwelchen Gründen, die wir nicht mehr nachvollziehen können, wurde er zu einem herrenlosen Straßenhund in Rumänien. In dieser Zeit war er sein eigener Herr und für die Befriedigung seiner Bedürfnisse selbst verantwortlich. Er musste sich selbständig Nahrung beschaffen (erjagen?), sich in der Stadt & Nähe zurecht finden und machte wohl seine ersten schlechten Erfahrungen mit Menschen. Da er einen schlecht verheilten Rippenbruch und Angst vor Männern, die Gegenstände (Bauarbeiter?) in der Hand tragen, hat – vermuten wir, dass es da für ihn zu einem schlechten Erlebnis gekommen sein muss. Das ist aber eine reine Spekulation.

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Irgendwann wurde er von der Straße aufgegriffen und kam in die Tierauffangstation "Smeura" in der Stadt Pitesti bei Bukarest des Fördervereins Tierhilfe "AURORA" Hilfe für Tiere in Not e.V. Die Auffangstation nahm zu dieser Zeit wohl tausende Hunde auf, um sie vor einer Tötung durch die rumänischen Behörden zu bewahren. Die Hunde waren in den engen Käfigen des ehemaligen Gebäudes einer Pelztierfarm untergebracht – aus der Not heraus, um so schnell und so viele Hunde wie möglich zu retten.

Ein Vollblutjäger in einem engen Käfig! – aber es war seine Rettung. Junge, gesunde und gut aussehende Hunde haben eine gute Chance nach Deutschland weitervermittelt zu werden und so kam Sancho am 20.April 2003 nach einer langen Autofahrt im deutschen Tierheim Dillingen / Saar an. Zu dieser Zeit war er ungefähr 2 Jahre alt. Die Mitarbeiter des Tierheims setzten schließlich eine Anzeige von ihm auf die Seite www.setter-in-not.de wo wir ihn schließlich fanden.

Als wir ihn bekamen


An die Mitarbeiter des Tierheimes schrieben wir später:

"Sie können sich vielleicht noch daran erinnern, wie Sancho und ich uns zum ersten Mal im Tierheim kennen gelernt hatten: Er war total aufgeregt, zog nur an der Leine (nur mit viel Mühe und Hacken in den Boden gestemmt zogen wir eine Furche ums Tierheim), und hatte kaum Aufmerksamkeit für den übrig, der am anderen Ende der Leine ging. So einen Eindruck (vielleicht ein wenig übertrieben) hatte ich jedenfalls von ihm. Der Morgen an dem wir den Sancho endgültig aus dem Tierheim ins Auto verfrachten wollten, hinterließ einen bleibenden Eindruck bei mir und Sancho. Es erstaunte mich, dass er kaum die Katzen und anderen Hunde beachtete, sondern ständig in meiner Nähe sein wollte und an mir hochsprang, als ob er wusste, dass es nun für ihn „nach Hause“ ging. Die Autofahrt mit ihm verlief völlig problemlos. Nachdem er auf der Rückbank erst einmal seine Decke angeknabbert hatte, es sich auf seinem Platz bequem gemacht hatte und sich mehrmals bei uns versicherte, dass alle noch da waren, legte er sich beruhigt nach hinten und schlief völlig entspannt. Ich hatte das Gefühl, als ob er „nach Hause“ kam."

Aber so einfach war es nicht. Auf seinen Namen reagierte er anfangs kaum bzw. gar nicht. In unserem Rudel musste er erst seine Stellung kennen lernen und Tabuzonen zu akzeptieren lernen. Befehle und die allgemeine „Hunde-Knigge“ waren ihm völlig unbekannt.

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Er konnte überhaupt nicht alleine bleiben, was sich darin andeutete, dass er stakkatoartig, in hohen Tönen bellte, jaulte, fiepte und regelrecht jammerte, wobei er aufgeregt durch die Wohnung lief und an den Türen hochsprang. Anfangs hatte er Angst vor Männern, vorzugsweise welche, die etwas in der Hand hielten – was er mit Angstaggression quittierte.

Er war überhaupt nicht leinenführig und es war undenkbar ihn in der Hoffnung von der Leine zu lassen, dass er wiederkommen würde. Während er zu Hause der „liebste und gehorsamste Hund“ war, vergaß er draußen schnell seine Erziehung.

Anfangs achtete er nicht (kein Blick) auf denjenigen der sich am anderen Ende der Leine befand. Leckerlis (sogar Fleischwurst!) wurden nur abgenommen, wenn keine Ablenkung da war. Um seinem Bewegungsdrang gerecht zu werden gingen wir über ein halbes Jahr ausschließlich mit ihm an einer 15m-Leine auf die Wiesen in der Umgegend. Dort reizte er das Ende der Leine gnadenlos aus – ein Brustgeschirr ging durch die Wucht kaputt, oft kamen wir mit Rückenschmerzen zurück.

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Wir versuchten ihn das Kommen auf Zuruf bzw. Pfiff beizubringen, um ihn dadurch später mal ohne Leine in der Nähe halten zu können. Diese Strategie erwies sich als unvollkommen, da er auf das Rucken am Ende der Leine regelrecht wartete – ohne dieses verschwand er trotz Rufen und trotz, dass er die Leine noch am Brustgeschirr hatte, im Wald oder auf den Feldern. Man muss ihm zugute halten, dass er nach einiger Zeit (bis zu 4 Stunden) wiederkam. Mit Vorliebe wollte er Katzen hinterher jagen (wozu er bereits Gelegenheiten nutzte), später auch erblicktes Wild bzw. frischen Wildspuren. Ein Vollblutjäger ohne jegliche Erziehung.

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Alle zuvor von den Tierheimmitarbeitern genannten Probleme bewahrheiteten sich – und wir hatten alle Hände voll zu tun, um mit ihnen fertig zu werden. Wir lasen Bücher, holten Rat von anderen Hundehaltern, besonders von Jagdhundehaltern, durchforsteten das Internet und probierten aus nach der Methode „Versuch & Irrtum“. So war es ein ständiger Lern- und Anpassungsprozess, bis wir zu einem Hund kamen, der Sancho heute ist – der Weg dahin verlief allerdings über die Ausbildung zum Jagdgebrauchshund...

Ausbildung zum Jagdhund


Vom Straßenköter zum Jagdgebrauchshund

Sancho’s Erziehung war alles andere als einfach. Draußen war er unansprechbar – keine Kommunikation möglich! Es dauerte ca. 1/2 Jahr bis er mich auf dem Spaziergang mal anschaute!!! Ich erinnere mich gut an die Tage, wo ich „diesen Blick“ das erste Mal bei ihm sah: ich hätte heulen können vor Glück! Wir konnten Sancho das erste 3/4tel Jahr nur an der Schleppleine ausführen – in das Ende der Leine rannte er mit vollem Karacho! Es machte ihm überhaupt nichts aus da jedes Mal mit Vollspeed reinzuknallen – ein Stopp-Kommando dadurch einzubauen, war völlig sinnlos. Er war ein Hund der sich nicht gerne die „Butter vom Brot“ nehmen ließ – schließlich war er es gewohnt für sein eigenes Leben selbst zu sorgen. Selbständig zu denken und zu arbeiten war Schwäche und Stärke zu gleich. Wie arbeitet man mit einem Hund, der nicht „im Team“ arbeiten möchte?

Es dauerte so ca. 2 Jahre bis wir zu einem Team zusammengewachsen waren. Auf dem Weg dorthin gab es viele Tränen, viel Verzweiflung, Momente wo ich dachte ich muss ihn wieder abgeben...

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Ein Schlüssel für unsere Beziehung war die Jagd bzw. die Ausbildung zum Jagdgebrauchshund. Im Frühjahr 2005 hab ich meinen Jagdschein gemacht – nun brauchte noch mein Hund „seinen Jagdschein“. Der zuvor erlernte Gehorsam, machte für Sancho irgendwie „keinen Sinn“. Erst als wir über das Apportiertraining (Dummyarbeit) und die Ausbildung den Gehorsam in das „gemeinsame Beutemachen“ einbauten, hat sich bei Sancho im Kopf noch mal ein Hebel umgelegt. Er verstand z.B. dass er sitzen bleiben musste, damit wir die Dummies verstecken konnten. Auf den Drückjagden konnte ich ihn laufen lassen. Dort suchte er mit einem Eifer und Fleiß die Dickungen um die Treiberwehr ab, so dass er sogar von den Jägern für seinen Einsatz gelobt wurde. Dabei hetzte er kurz das Wild an, um dann wieder zu mir zur kurzen Rückmeldung zurückzukommen. Heute kann ich mit ihm vor ein paar hochgemachten Rehen stehen, ohne dass er hinterhetzt. Ich kann es nicht so ganz beschreiben, aber für ihn macht der Gehorsam nun einen Sinn – denn erst in Zusammenarbeit und unter Gehorsam können wir erfolgreich „Beute machen“.

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Ende 2005 / Anfang 2006 entstand nun die Idee doch mit Sancho die Brauchbarkeitsprüfung ablegen zu wollen. Auch dieses Jahr war von vielen Rückschlägen, Enttäuschungen und harter Arbeit gekennzeichnet. Immerhin ist Sancho nicht mehr der Jüngste. Es mangelt ihm an Konzentration. Vieles was ein Hund durch die Frühprägung und Junghundeerziehung quasi mit der Muttermilch aufsaugt, hat ihm gefehlt. So fällt es einem Setter, der sein Brot auf der Straße verdient hat, sehr schwer die Nase herunter zu nehmen und einer Spur zu folgen. Sancho hat sich sein Brot bisher durch die Arbeit mit der hohen Nase und vielem rennen, rennen, rennen verdient.

Die Schleppenarbeit war für uns die erste sehr große Hürde. Dort musste er ja seine Nase herunternehmen um erfolgreich zum Stück zu kommen. Was haben wir alles probiert!!! Sämtliche Tricks der Jagdhundeausbildung schlugen fehl. Sein Stil: losrennen, rennen, rennen und irgendwann per Zufall auf das Stück treffen – leider hatte seine Methode zu oft Erfolg. Die Suche war eine Art Freiverlorensuche. Letztendlich hat uns dann die klassische Fährtenarbeit weitergeholfen. Die nächste Hürde war die Schweißarbeit. Auch hier wollte er mit Tempo schnell zum Erfolg kommen. Wir pflügten Schneisen in die Bestände und als Schweißhundegespann waren wir nur am Kondensstreifen zu erkennen! Wenn er in dem Tempo wenigstens die Spur halten würde, hätte man ja damit leben können, aber er überrannte alles ohne nur mit der Wimper zu zucken. Die letzten 2 Monate haben wir geübt und trainiert ohne Ende, Methoden ausprobiert und verworfen, vor Verzweiflung geheult und uns über jeden gefundenen Schweissfährtenzentimeter gefreut als hätten wir im Lotto gewonnen...

sancho

Die ganze Ausbildung für die Brauchbarkeitsprüfung hab ich bestimmt in dem letzten halben Jahr mindestens 5x ernsthaft hinschmeißen wollen. Nur Leute, die an uns geglaubt haben, haben mich immer wieder ermutigt dranzubleiben, es doch zu versuchen ... Viele haben uns mit Rat & Tat zur Seite gestanden. So haben wir Sancho zum 9. November 2006 bei Osnabrück zur Brauchbarkeitsprüfung angemeldet – es war der letztmöglichste Termin in diesem Jahr, in einem Bundesland wo man noch Hunde ohne Papiere prüfen kann. Den Bericht über unsere Erlebnisse auf dieser Prüfung findet man hier.

Mit der bestandenen Brauchbarkeitsprüfung hörte unsere Arbeit mit Sancho natürlich nicht auf. Sancho bewies auf vielen Enten- und Dückjagden seinen Jagdverstand und seine Passion.

sancho

Ganz ehrlich ich hab damals nur 10€ für Sancho bezahlen müssen – nach den Berechnungen der „Wild und Hund“ ist er jetzt monetär ausgedrückt 2.000€ wert. In meinem Herzen ist er mir unendlich mehr wert. Er hat mich gelehrt. Er war mein Mentor, mein Schleifstein. Wir sind zusammengewachsen und das Bestehen der Brauchbarkeitsprüfung ist nur eine Unterschrift darunter. Ganz besonders danke ich meinem Mann – ohne ihn hätten wir das nie geschafft! Er hat fleißig im Regen die Schweißfährten gelegt, mich zur Brauchbarkeitsprüfung begleitet, war derjenige der vieles mit Sancho geübt hat und in der ganzen Sache der Ruhepool war, den ich gerade in Verzweiflungszeiten gebraucht habe. Ich möchte all denjenigen danken, die an uns geglaubt haben, die uns unterstützt haben, uns immer wieder ermutigt haben – ohne sie hätten wir das nicht geschafft. Ich möchte diejenigen Lügen strafen, die uns entmutigt haben, die nur den unnützen „Straßenköter“ in Sancho gesehen haben, die uns Steine in den Weg gelegt haben – wir haben euch nicht gebraucht.

Und ich möchte denjenigen Mut machen, die jetzt noch in der Zeit stecken, wo Rückschritte über Fortschritte dominieren, wo noch oft gezweifelt wird an sich und der Entscheidung für den Hund, wo Tränen den Weg pflastern .. irgendwann werdet ihr das ernten können, was ihr jetzt so mühevoll sät.

Zu guter Letzt


Eins hat sich Sancho immer bewahrt: seine innere Ruhe und Wesensstärke. Er ist ein Hund mit Charakter, sehr selbständig und selbstbewusst. Es war nicht einfach für ihn und uns vom „Ich – Sancho“ zum „Wir – Sancho in einem Familienrudel“ zu kommen. Der Weg war lang und steinig und ist noch lange nicht zu Ende. Auf unserem Weg fanden wir echte Freunde, die uns ermutigten, halfen und an uns glaubten und falsche Freunde, die uns entmutigten, verleumdeten und statt zu helfen uns gnadenlos kritisierten.

sancho

Das erste Problem, sein dominantes Verhalten, gestaltet sich nun so: wir haben untereinander ein geklärtes Verhältnis. Er akzeptiert und liebt (!) uns als seine „Rudelführer“. Es ist ein sehr schönes, tiefes und inniges Verhältnis zwischen uns gewachsen. Das merkt man an jedem Blick, an seiner Arbeitsfreude und dass wir uns öfters mal nur mit Blicken verständigen können. Im Umgang mit anderen Rüden ist er nicht mehr ganz „der Macho“ sondern zeigt souveräne Wesensstärke, die er aber auch von dem Rüden verlangt, wo er sich unterordnet. Er ruht in sich und seiner „Stellung im Rudel“. Das zweite Problem, sein starker Jagdtrieb, hat sich natürlich nicht in Luft aufgelöst.

sancho

Er ist und bleibt ein Vollblutjäger. Es liegt an uns, sein Verhalten z.B. wenn er Wild wittert und kurz vorsteht, rechtzeitig zu erkennen und einer Hatz entgegenzuwirken. Das klappt in 98% aller Fälle. Klappt es mal nicht, nehmen wir eine Zeitung, rollen diese zusammen und schlagen uns damit 3mal auf den Kopf, wobei wir sagen: „Wir haben nicht aufgepasst, wir haben nicht aufgepasst, wir ....“ Es liegt an uns den Gehorsam immer wieder zu festigen und konsequent einzufordern.

Sanchos Ausbildung als Jagdgebrauchshund hilft uns ihn am Wild unter Kontrolle zu halten – Gehorsam am Wild steht auch bei einem Jagdhund im Einsatz an 1. Stelle und die bestandene Brauchbarkeitsprüfung ist keine Lizenz dafür, dass er nun Wild frei nach eigener Facon hetzen darf. Dass er nun als Jagdhund eingesetzt wird bewirkt nunmehr eine Kanalisierung seines Jagdtriebes. Auf den Jagdeinsätzen kann er nun sein ganzes Können beweisen – besonders auf den großen Entenjagden ist er aufgrund seiner Wildpassion und seiner Zuverlässigkeit ein Ausnahmehund.

sancho

Das 3. Problem, mit dem alleine bleiben hat sich echt sehr schwer gelöst. Es war ein ewiges Rätselraten woher das Problem nun kam und wie wir es lösen könnten. Dabei waren wir, wie gesagt drauf und dran aufzugeben. Im Endeffekt glauben wir, dass er nicht alleine blieb weil er nicht konnte (Angst) sondern weil er nicht wollte (Trotz). Irgendwann muss er mal geschnallt haben: „Wenn ich belle, dann kommen sie zurück“. Und weil er die Freiheit draußen so sehr liebt, konnte er es nicht leiden, dass jemand ohne ihn diese genießen durfte. Ob dass so 100%ig richtig ist, wissen wir nicht, aber darauf basierte letztendlich die Lösung des Problems. Er bleibt heute ruhig zu Hause, bis wir kommen.

sancho

A und O im Umgang mit ihm ist die tägliche Festigung des Gehorsams, eine ihm gerechte Beschäftigung & Ausbildung und eine partnerschaftliche Beziehung zwischen ihm und uns. So hat er seine Leidenschaft fürs Apportieren für sich entdeckt: er reißt uns regelrecht die Zeitung aus der Hand, um sie nach oben tragen zu dürfen, hilft bei auspacken des Einkaufes, und sucht leidenschaftlich Dummies. Nach dem Motto: „Wenn nix mehr hilft, hilft Sancho“ kann man ihn suchen schicken, wenn Feli ihren Dummy, Ball etc. nicht mehr gefunden hat – er findet ihn auf alle Fälle! Zum Suchen kann man ihn immer besser einweisen – auch dazu gehört eine Portion Führigkeit, die er erst lernen musste. Das Kommen auf Doppel-Pfiff und das Ablege-Stopp in Entfernung auf Triller-Pfiff trainieren wir täglich mehrmals auf den Hunderunden. Sitz, Platz, Bleib, Komm usw. sind Befehle die zum Alltag gehören und die Sancho nun fast selbstverständlich bringt.

sancho

Er ist nun vollständig „unser Hund“ geworden – mit Leib und Seele! Andere Menschen, die einen aufgeschlossenen und auf-sie-zugehenden Hund erwarten, sind zunächst enttäuscht von Sancho. Aber gerade aufgrund seiner „vornehmen Ignoranz“ gegenüber wenig bekannten Menschen und seines ungewöhnlichen Aussehens traute sich schon so mancher, der Angst vor Hunden hat, an ihn heran um vorsichtig Kontakt zu knüpfen. Da und gegenüber Kindern ist er sehr geduldig. Eine Sache wird er wohl nie ablegen: seine aufgeregte Hibbeligkeit, wenn es los zur Hunderunde geht: hochspringen, fiepen, kaum sitzen bleiben können, herumzappeln . . . das nervt manchmal.

Was wir an ihm lieben? Seine Wesensstärke, seine Arbeitsfreude, sein Lächeln, wenn er auf der Jagd alles geben kann, seine „trockene & vornehme Art“ und seine gewisse Zuverlässigkeit & Treue uns gegenüber.

sancho



Am 1. September 2014 mussten wir dich gehen lassen. Ein Tumor hatte dir solche Schmerzen bereitet, dass ein würdevolles Leben nicht mehr möglich war. "Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast." (Antoine de Saint-Exupéry) Dieser Schritt, war der schwerste unseres gemeinsamen Lebens - aber wir waren ihn dir schuldig. Machs gut mein Freund!